»

Herzklappen-OPs mit großen Qualitätsunterschieden zwischen den Kliniken

Herzklappen-OPs mit großen Qualitätsunterschieden zwischen den Kliniken

Patientenversorgung

3 MIN

Große Spanne bei Herzinfarkten und Schlaganfällen nach TAVIs

Berlin. Eine aktuelle Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt große Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken bei Herzklappen-OPs. Die Qualitätsergebnisse der Kliniken auf Basis des Verfahrens zur „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR) sind im Online-Portal AOK-Gesundheitsnavigator abrufbar. Die Daten zeigen deutliche Unterschiede bei der Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen und ungeplanten Folge-OPs nach dem Eingriff sowie bei der Sterblichkeit der behandelten Patientinnen und Patienten.

Das WIdO hat knapp 23.000 kathetergestützte Aortenklappen-Implantationen (TAVI) bei AOK-Versicherten ausgewertet, die bundesweit in 79 Kliniken in den Jahren 2018 bis 2020 durchgeführt worden sind. Laut der Analyse ist im Viertel der Kliniken mit den besten Ergebnissen bei den transvaskulären Eingriffen eine Gesamt-Komplikationsrate von 5,1 Prozent zu verzeichnen, im Viertel der Kliniken, die am schlechtesten abschneiden, liegt dieser Wert dagegen bei 7,1 Prozent. Die Auswertung ergibt eine durchschnittliche Sterblichkeitsrate der behandelten Patientinnen und Patienten von 2,8 Prozent. Im Viertel der Kliniken mit den besten Ergebnissen ist die Sterblichkeit nach TAVIs mit 2,1 Prozent deutlich niedriger als im Viertel der schlechtesten Kliniken (3,8 Prozent).

Große Spanne bei Herzinfarkten und Schlaganfällen nach TAVIs

Große Spannen zeigen sich auch bei der Häufigkeit von Herzinfarkten und Schlaganfällen innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff: So erleiden im Viertel der Kliniken mit den besten Ergebnissen 1,8 Prozent der TAVI-Patienten innerhalb von 30 Tagen einen Schlaganfall, während es im schlechtesten Viertel 3,9 Prozent sind. Insgesamt 0,7 Prozent der Patientinnen und Patienten müssen sich innerhalb eines Jahres einer erneuten Klappenersatz-OP unterziehen. Die Rate dieser ungeplanten Folge-OPs liegt im Viertel der Kliniken, die am schlechtesten abschneiden, mit 1,0 Prozent etwas höher.

Verengung der Herzklappe beeinträchtigt Funktion des Herzens

Die Implantation einer neuen Aortenklappe kann erforderlich werden, wenn eine Verengung der Herzklappe die Herztätigkeit schwer beeinträchtigt. Schwächegefühl, Herzschmerzen, Atemnot und Husten oder auch Ödeme sind mögliche Anzeichen einer Aortenklappen-Verengung. Je nach Ausmaß der Erkrankung muss die defekte Herzklappe dann durch eine Prothese ersetzt werden.

Neben den neuen Qualitätsinformationen zu den TAVIs bietet der Gesundheitsnavigator der AOK seit heute auch erstmals klinikbezogene QSR-Ergebnisse zu Mandelentfernungen. Zudem wurden die Ergebnisse zu den bereits im Navigator verfügbaren QSR-Indikationen aktualisiert.

Analyse der Behandlungsergebnisse über den Klinikaufenthalt hinaus

Im Verfahren zur „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ wertet das WIdO Abrechnungsdaten der AOK-Versicherten aus der stationären und aus der ambulanten Versorgung aus. Das ermöglicht eine Analyse der Behandlungsergebnisse der Patientinnen und Patienten auch über den eigentlichen Klinik-Aufenthalt hinaus. Dadurch können Komplikationen nach der OP oder Folgeereignisse wie ungeplante Revisions-OPs mit in die Bewertung einbezogen werden. Unterschiede bezüglich Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen der Patientinnen und Patienten werden in der Auswertung berücksichtigt, sodass ein fairer Vergleich zwischen den einzelnen Kliniken gewährleistet ist.

Informationen zur Behandlungsqualität aus dem QSR-Verfahren gibt es neben den neuen Indikationen TAVI und Mandelentfernung aktuell zu elf weiteren Eingriffen: Knieprothesenwechsel, Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenkes bei Arthrose, Operation nach hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, Hüftprothesenwechsel, Gallenblasenentfernung bei Gallensteinen, Blinddarmentfernung, Leistenbruch-OP, Operation bei gutartiger Prostatavergrößerung und zur Prostataentfernung bei Prostatakrebs sowie therapeutischer Herzkatheter (PCI) bei Patienten ohne Herzinfarkt. Die Ergebnisse der Auswertungen werden automatisch angezeigt, wenn Nutzerinnen und Nutzer des AOK-Navigators nach Informationen zu einer der genannten Behandlungen suchen.

Informationen zum QSR-Verfahren:
https://www.qualitaetssicherung-mit-routinedaten.de

Weitere aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt anmelden!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Tele-Kasper Antibiotikaresistenzen Kinder

Tele-Kasper: Telemedizinisches Antibiotic-Stewardship-Projekt für Kinder soll in die Regelversorgung

Halle (Saale). Ein innovatives Versorgungsmodell zur gezielteren Antibiotikagabe bei Kindern und Jugendlichen steht vor der Überführung in die dauerhafte Regelversorgung. Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat eine entsprechende Empfehlung für das Projekt „Tele-Kasper" ausgesprochen.

Patientenversorgung

Beitrag lesen
Nordrhein-Westfalen Landarztquote

Nordrhein-Westfalen weitet Landarztquote aus

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen verstärkt seine Bemühungen gegen den Hausärztemangel auf dem Land: Ab dem Wintersemester 2026/27 stehen im Rahmen der Landarztquote (LAQ) 227 Medizinstudienplätze zur Verfügung.

Patientenversorgung

Beitrag lesen
Vivantes

Vivantes baut ASV-Angebot aus: Neun neue Teams für komplexe und seltene Erkrankungen in Berlin

Berlin. Seit dem 1. Juli 2026 steht Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren oder seltenen Erkrankungen in Berlin ein noch dichteres Netz spezialisierter ambulanter Versorgung zur Verfügung. Der kommunale Krankenhausträger Vivantes hat seine Kapazitäten in der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) um neun weitere Teams erweitert.

Patientenversorgung

Beitrag lesen