»

Telemedizinrucksack und Delegation: vdek-Projekt zeigt, wie ambulante Versorgung im ländlichen Raum funktionieren kann

Telemedizinrucksack NäPa ambulante Versorgung

Telemedizinrucksack und Delegation: vdek-Projekt zeigt, wie ambulante Versorgung im ländlichen Raum funktionieren kann

Digitalisierung

3 MIN

Berlin. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) fordert im Zuge des geplanten Gesetzentwurfs für ein Primärversorgungssystem, Delegation ärztlicher Leistungen und digitale Instrumente konsequenter zu fördern. Wie das in der Praxis aussehen kann, erprobt der vdek gemeinsam mit dem Regionalen Versorgungszentrum (RVZ) Wurster Nordseeküste in Niedersachsen. Im Projekt „Regionale Gesundheitspartner der Ersatzkassen“ setzen Nichtärztliche Praxisassistenten (NäPa) bei Hausbesuchen einen sogenannten Telemedizinrucksack ein. Der vdek plädiert dafür, solche Modelle künftig flächendeckend in der vertragsärztlichen Regelversorgung zu verankern.

Hintergrund: Primärversorgung unter Druck

Demografischer Wandel und ein zunehmend knapper werdendes ärztliches Fachkräfteangebot stellen die ambulante Versorgung vor wachsende Herausforderungen. Der vdek sieht in der Kombination aus Delegation ärztlicher Aufgaben und digitaler Unterstützung einen zentralen Lösungsansatz. Neben dem Telemedizinrucksack und dem NäPa-Einsatz nennt der Verband die digitale Ersteinschätzung, die E-Überweisung und eine Plattform zur schnelleren Terminvermittlung als weitere Bausteine, die in ein künftiges Primärversorgungssystem integriert werden sollten.

Telemedizinrucksack: Vitalwerte und EKG direkt beim Hausbesuch

Im Projekt am RVZ Wurster Nordseeküste führen NäPa Hausbesuche mit einem Telemedizinrucksack durch. Damit lassen sich vor Ort Vitalparameter wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Puls erheben sowie ein EKG oder eine Lungenfunktionsprüfung durchführen. Die Messdaten werden in Echtzeit an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt übermittelt. Bei Bedarf können diese per Videokonferenz zugeschaltet werden, um Befunde zu beurteilen und unmittelbar Therapieentscheidungen zu treffen.

Mehrwert für alle Beteiligten

Das Modell entlastet Arztpraxen, indem Kapazitäten für komplexere Leistungen freigesetzt werden. Patientinnen und Patienten – gerade in ländlichen Regionen mit langen Anfahrtswegen – profitieren von einer wohnortnahen Betreuung ohne aufwendige Praxisbesuche. Für die NäPa selbst bedeutet der Einsatz eine deutliche Aufwertung ihres Berufsbildes durch anspruchsvolle Tätigkeiten mit hoher Eigenverantwortung.

Forderung: Regelversorgung öffnen

Damit Konzepte wie telemedizinisch unterstützte Haus- und Pflegeheimbesuche über Modellprojekte hinaus wirken können, fordert der vdek ihre flächendeckende Aufnahme in die vertragsärztliche Versorgung. Das würde die ambulante Versorgung strukturell stärken, die Patientensteuerung verbessern und insbesondere strukturschwache Gebiete langfristig absichern.

„Durch das intelligente Zusammenspiel von Digitalisierung und Delegation werden Versorgungsprozesse beschleunigt, Ressourcen zielgerichtet eingesetzt und Ärztinnen und Ärzte können sich auf ihre Kernaufgaben fokussieren. Diese Bausteine sollten deshalb neben der digitalen Ersteinschätzung, der E-Überweisung und einer Plattform zur schnelleren Terminvermittlung zu den zentralen Elementen eines künftigen Primärversorgungssystems gehören“, erklärt Boris von Maydell, Vorstandsvertreter des vdek.

„Gerade in einer ländlich geprägten Region mit langen Wegen ist der Telemedizinrucksack ein echter Gewinn. Mit der digitalen Unterstützung bei Hausbesuchen entlasten unsere Nichtärztlichen Praxisassistentinnen- und -assistenten unsere Ärztinnen und Ärzte spürbar und schaffen mehr Zeit für die persönliche Betreuung der Patientinnen und Patienten. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer modernen, wohnortnahen Versorgung im ländlichen Raum. Die Rückmeldungen, die wir bekommen, zeigen große Dankbarkeit für dieses Angebot“, ergänzt Dr. Andreas Rühle, Geschäftsführer des RVZ Wurster Nordseeküste.

Das Projekt am RVZ Wurster Nordseeküste zeigt exemplarisch, wie Delegation und Digitalisierung in der ambulanten Versorgung ineinandergreifen können. Ob und wann telemedizinisch unterstützte Hausbesuche den Weg in die Regelversorgung finden, hängt maßgeblich von den Entscheidungen im laufenden Gesetzgebungsverfahren zum Primärversorgungssystem ab.

Quelle: vdek

Weitere Aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt Anmelden!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

LOGEX

LOGEX Healthcare Analytics AG erwirbt Tiplu GmbH

Köln/Hamburg. LOGEX, Anbieter für Healthcare Analytics, wird alleiniger Gesellschafter von Tiplu, einem deutschen Softwareunternehmen für KI-gestützte Lösungen im Krankenhausbereich. Gemeinsam mit Tiplu wird LOGEX erstmals eine vollständige Grundlage für datenbasierte Entscheidungen auf allen Ebenen in Krankenhäusern und Kliniken schaffen.

Digitalisierung

Beitrag lesen
Wenn die KI die Patientin spielt

Wenn die KI die Patientin spielt

Am Universitätsklinikum Würzburg üben Medizinstudierende Patientengespräche mit virtuellen Patientinnen – gesteuert durch ein Sprachmodell, das sich an jede Entscheidung aus dem Vorgespräch erinnert.

Digitalisierung

Beitrag lesen
ePA

ePA: Ministerium plant Beschlagnahmeschutz für Inhalte der elektronischen Patientenakte

Berlin. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz bereitet den verfassungsrechtlichen Schutz von Daten der elektronischen Patientenakte vor. Hintergrund ist eine Forderung von KBV, Bundesärztekammer und Bundespsychotherapeutenkammer, die zuvor auf datenschutzrechtliche Lücken hingewiesen hatten.

Digitalisierung

Beitrag lesen