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4. KU Lunchtalk

Mobbing und Diskriminierungsfreies Arbeiten im Krankenhaus

8. September 2026
12.00 – 13.30 Uhr

Im Rahmen des KU Lunchtalks zum Thema Mobbing und Machtmissbrauch im Krankenhaus trafen sich knapp 20 Teilnehmende online am 8. September 2026. Die Veranstaltung wurde moderiert von Anette Nazarenko, Senior Produkt-/Marketingmanagerin der mgo Fachverlage, und Sabine Loh, Gründerin der Agentur create for care – Agentur für Gesundheitsmanagement.
Die Referentinnen und Referenten waren hochkarätig besetzt:

  • Prof. Grietje Beck:  Klinikdirektorin für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Mannheim; Präsidentin des BDA und Gründerin des Forums für Anästhesistinnen im BDA.
  • Prof. Hans-Jürgen Hennes: langjähriger Klinik-Geschäftsführer, u.a. München, Karlsruhe und zuletzt in Mannheim am Universitätsklinikum tätig. 
  • Dr. Susanne Johna: 1. Vorsitzende des Marburger Bundes und seit 2023 Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.
  • Marc Rumpenhorst: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht in der Kanzlei Klostermann, Bochum.

Marc Rumpenhorst begann den Reigen der Impulsvorträge, indem er den Begriff „Mobbing“ juristisch erläuterte. Entscheidend, um von „Mobbing“ zu sprechen, sei, so Rumpenhorst, die systematische Schikane. Einzelne, möglicherweise auch inkorrekte Handlungen könnten noch nicht als Mobbing bezeichnet werden. Als Beispiel diente ihm dabei der Umgang mit Fehlern, die man konstruktiv oder bloßstellend aufarbeiten könne. Rumpenhorst betonte, dass der Beweis von Mobbing in jedem Fall schwierig sei, da die Attacken größtenteils ohne offenes Visier erfolgten und die Dokumentation für Betroffene eine große Herausforderung darstelle.

Prof. Grietje Beck folgte mit ihrem inhaltlichen Input. Sie betonte, dass es kaum Allgemeinrezepte gäbe, wie eine Karriere für Frauen in der Medizin erfolgreich verlaufen könne. Nach wie vor seien Themen wie Familienplanung, Erziehungszeiten, Care-Arbeit Faktoren, die in der ärztlichen Weiterbildung ein Karrierehemmnis darstellten, da sie schlicht und ergreifend Zeit kosteten und derzeit noch größtenteils von Frauen geleistet würden. Sie subsummierte, dass man auf jeden Fall Förderer oder Förderinnen brauche sowie eine unterstützende Familie. Sie ermahnte aber auch, dass Frauen manchmal aktiver werden müssten und beispielsweise am großen Besprechungstisch auch einmal als erste das Wort ergreifen sollten sowie sich auch unmittelbar zu äußern, wenn sie sich inkorrektem Umgang ausgesetzt sähen.

Frau Dr. Susanne Johna brachte als nächste Referentin die Mitgliederbefragung des Marburger Bundes zum Thema Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in die Diskussion ein. An der Befragung aus dem Frühjahr 2026 hatten über 9.000 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, die zu 90 Prozent in Krankenhäusern arbeiteten. Frau Dr. Johna betonte, dass in den Krankenhäusern ein systematisches Problem vorliege. Sie erläuterte zudem, dass die wenigsten Betroffenen Machtmissbrauch oder sexuelle Belästigung meldeten und zwar aus mangelnder Kenntnis zuständiger Meldestellen oder dem fehlenden Vertrauen auf Konsequenzen und aus Angst um die eigene Karriere. Sie forderte eine angemessene Führungskultur und gelebten Respekt im Klinikalltag.

Prof. Hans-Jürgen Hennes nahm als letzter Referent den Faden auf und erläuterte, dass im krankenhausärztlichen Kontext kaum die Möglichkeit bestehe, einen Vorgesetzten zu bewerten. Als weiteres Problem nannte er das besondere Abhängigkeitsverhältnis in der ärztlichen Weiterbildung, das sich meistens auf eine Person konzentriere. Auch er forderte einen Wandel der Führungskultur, wofür die Krankenhäuser sorgen und einstehen müssten. Dabei komme der durchgehenden Bewertung der Führungspersonen, inkl. der Geschäftsführung, eine zentrale Rolle zu. Die Chancen dafür, dass sich in den deutschen Krankenhäusern kurzfristig etwas bessern könnte, beurteilte er aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen wie Personalengpässen oder ökonomischem Druck kritisch.

In der nachfolgenden angeregten Diskussion wurde betont, dass sich diese Thematik im Alltag äußerst komplex darstelle und es erforderlich sei, die Probleme konsequent zu adressieren und weiterzuverfolgen.

Birgit Sander, Redaktion KU Gesundheitsmanagement

Referentenstimmen

„Wer sich gemobbt fühlt, hat häufig Schwierigkeiten, die schikanösen Anfeindungen zu beweisen und diesbezügliche Rechtsansprüche durchzusetzen. Die Betroffenen weichen dem Druck dann eher aus und wechseln die Arbeitsstelle.“

Marc Rumpenhorst, Referent beim KU Lunchtalk und Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht, Kanzlei Klostermann
Weitere Informationen dazu im Videointerview mit Herrn Rumpenhorst.

„Null Toleranz bei Mobbing! Als ehemaliger Krankenhaus-Geschäftsführer, der Verantwortung für seine Mitarbeitenden getragen hat, war klar, dass dieses Verhalten nicht geduldet wird.“

Prof. Hans-Jürgen Hennes, Referent beim KU Lunchtalk und ehemaliger Krankenhaus-Geschäftsführer
Weitere Informationen dazu im Interview mit Prof. Hennes

„Warum Betroffene Machtmissbrauch oder Diskriminierung nicht melden, hat unserer Befragung nach unter anderem damit zu tun, dass die Personen mit beruflichen Nachteilen rechnen und sie nicht erwarten, dass danach etwas in ihrem Sinne passiert.“

Dr. Susanne Johna, Referentin beim KU Lunchtalk und 1. Vorsitzende des Marbuger Bundes

„Strukturen, die Machtmissbrauch und Diskriminierung in deutschen Praxen und Kliniken erhalten, müssen aufgedeckt werden. Eine Familie und Kinder dürfen kein Karrierehindernis für eine Ärztin sein.“

Prof. Grietje Beck, Referentin beim KU Lunchtalk und Klinikdirektorin für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Mannheim

Referenten und Referentinnen

Foto von Grietje Beck
Prof. Grietje Beck

ist Klinikdirektorin für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Mannheim. Sie ist Präsidentin des BDA und gründete 2024 das Forum für Anästhesistinnen im BDA und ist 1. Sprecherin. 

Foto von Professor Hans-Jürgen Hennes
Prof. Hans-Jürgen Hennes

war jahrzehntelang als Klinik-Geschäftsführer unter anderem in München, Karlsruhe und zuletzt in Mannheim am Universitätsklinikum tätig. Er kennt die Strukturen und Veränderungen der letzten Jahre in Hinblick auf die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. 

Dr Johna
Dr. Susanne Johna

1. Vorsitzende des Marburger Bundes und seit 2023 Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

Foto von Marc Rumpenhorst
Marc Rumpenhorst

ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht in der Kanzlei Klostermann, Bochum. Er vertritt seit vielen Jahren Klinikmitarbeitende, die sich wegen Diskriminierung und Mobbing an ihn wenden.

Moderatorin

Foto von Sabine Loh
Sabine Loh

verantworte diesen Bereich an den Evang. Kliniken Essen-Mitte und am Universitätsklinikum Mannheim. Aktuell leitet sie das Stiftungsmanagement für die Stiftung Kinderklinik München Schwabing. Mit ihrer Agentur create for care ist sie auf Gesundheitsmanagement spezialisiert und bietet mit slow media solutions eine kollaborative Plattform für nachhaltige Projekte und Medienstrategien an. 
 

Nazarenko_KU Awards
Anette Nazarenko

leitet den Bereich Healthcare bei den mgo fachverlagen und verantwortet dort die Veranstaltungen und Webinare der KU Gesundheitsmanagement.  

Informationen

Datum
8. September 2026, 12.00-13.30 Uhr

Ort
Online über Zugangslink

Gebühr
139,00 Euro zzgl. MwSt. für ein Webinar

Zielgruppe
Dieses Webinar richtet sich an Führungskräfte, Personalverantwortliche, Betriebsräte, Gleichstellungsbeauftragte sowie alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, die sich für eine faire, respektvolle und diskriminierungsfreie Arbeitskultur einsetzen.

Die Anmeldung ist verbindlich, aber jederzeit übertragbar. Die Stornierungsbedingungen entnehmen Sie bitte unseren AGBs.

Kooperationspartner

Logo create for care
Foto Anette Nazarenko

Ansprechpartnerin

Anette Nazarenko
Tel.: 09221/949-320
E-Mail: a.nazarenko@mgo-fachverlage.de