Am Universitätsklinikum Würzburg üben Medizinstudierende Patientengespräche mit virtuellen Patientinnen und Patienten gesteuert von einer KI. Das Projekt KIPS Universitätsklinikum Würzburg ist mehr als ein technisches Experiment: Es adressiert eine strukturelle Lücke in der klinischen Ausbildung.
Ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch lässt sich nicht aus Lehrbüchern lernen. Es braucht Übung – wiederholte, realitätsnahe Übung. Bisher hieß das: Simulationspatientinnen und -patienten buchen, Räume organisieren, Termine koordinieren. Der Aufwand ist erheblich, die Kapazitäten sind begrenzt. Wer regelmäßig trainieren will, stößt schnell an praktische Grenzen.
Am UKW haben sie einen anderen Weg eingeschlagen. KIPS – KI-basierte Patientensimulation – lässt Studierende über eine Web-Applikation Gespräche mit virtuellen Patientinnen führen. Die Antworten entstehen in Echtzeit durch ein Sprachmodell, das die Patientenrolle übernimmt. Ort und Zeit spielen keine Rolle mehr.
Das entscheidende Detail: Die Patientin erinnert sich
Was KIPS von anderen digitalen Lernformaten unterscheidet, ist die Idee der Mehrfach-Visite. Studierende begleiten eine Patientin über mehrere Sitzungen und was sie im ersten Gespräch sagen oder unterlassen, prägt den weiteren Verlauf.
Wer die Diagnose nicht erklärt, wer vergisst zu sagen, warum die Trinkmenge begrenzt werden muss, trifft beim nächsten Besuch auf eine verunsicherte, gereizte Patientin. Wer alles richtig macht, erlebt, wie sie sich erholt und bereit wird für die Therapieplanung. Klinische Konsequenzen werden so spürbar – ohne dass ein realer Mensch darunter leidet.
Alexander Zamzow, ärztlicher Projektleiter, bringt es auf den Punkt: „Wir schaffen eine zeit- und ortsunabhängige, flexible Trainingsumgebung, die den klassischen Einsatz von Simulationspatientinnen und -patienten nicht ersetzt, sondern als hochfrequente Trainingsplattform messbar und skalierbar ergänzt.“
KIPS Universitätsklinikum Würzburg: Kein Freifahrtschein für die KI
Was das System darf und was nicht, ist klar geregelt. KIPS greift ausschließlich auf Daten zurück, die Dozierende vorab in einem Dashboard hinterlegt haben. Das verhindert, dass die KI medizinisch falsche oder frei erfundene Antworten produziert – ein Problem, das bei unkontrolliertem KI-Einsatz im klinischen Umfeld real ist. Am UKW ist das kein Zufallsprodukt der Technik, sondern eine bewusste Konstruktionsentscheidung.
Das Feedback nach jedem Gespräch ist automatisiert, aber nicht oberflächlich: Gesprächsprotokolle, linguistische Metriken und vordefinierte Checklisten fließen in eine individuell formulierte Rückmeldung ein.
Was als nächstes kommt
Die Pilotstudie startet im Herbst 2026. Neben der Nutzungserfahrung interessiert das Team besonders, ob Studierende echte Empathie in der Interaktion erleben – oder ob das Wissen, mit einer Maschine zu sprechen, die Immersion bricht. Mittelfristig soll die Plattform auch für Pflege und Hebammenwissenschaft geöffnet werden.
Quelle: Ausführliches Interview mit Prof. Dr. Sarah König und Alexander Zamzow, KU Gesundheitsmanagement 07/2026
Redaktion: Birgit Sander, KU Gesundheitsmanagement
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