Köln. Das 8. Trendbarometer Gesundheitswirtschaft (Frühjahr 2026) zeichnet ein nüchternes Bild: Über 150 Branchenexpertinnen und -experten wurden im März und April 2026 befragt. Die Ergebnisse sind eindeutig, denn statt Wachstum und Investition dominieren Stabilisierung und Kostenkontrolle die Agenda der Sozial- und Gesundheitswirtschaft.
Was das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft 2026 misst
Das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft wird seit 2022 regelmäßig von der SozialGestaltung GmbH durchgeführt und analysiert branchenübergreifend die wirtschaftliche Lage von Einrichtungen aus stationärer und ambulanter Pflege, Krankenhäusern, Rehabilitation, Eingliederungshilfe sowie MVZ und Gesundheitszentren. Die achte Erhebung fand vom 18. März bis 12. April 2026 statt.
Wirtschaftliche Lage bleibt strukturell angespannt
42 Prozent der befragten Einrichtungen bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als schlecht oder sehr schlecht, nur 34 Prozent berichten von einer guten oder sehr guten Lage. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2022 hat sich an dieser strukturellen Belastung kaum etwas verändert.
Für das Geschäftsjahr 2026 rechnen 29 Prozent der Befragten mit einem Jahresfehlbetrag. Das deckt sich mit den Erwartungen aus 2025. Die realisierten Ergebnisse 2025 fielen dabei zwar leicht besser aus als prognostiziert, doch die Grundproblematik bleibt unverändert.
Große Herausforderungen bezüglich Lohnkosten, Reformunsicherheit und Fachkräftemangel
Das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft benennt die größten Herausforderungen der kommenden zwölf Monate klar:
- Lohnkostensteigerungen (59 %) – mit einem Zuwachs von 49 Prozentpunkten gegenüber der Vorerhebung der mit Abstand am stärksten gestiegene Belastungsfaktor
- Strategische Unsicherheit durch gesetzliche Reformprozesse (49 %)
- Fachkräftemangel (48 %)
Die Kombination aus steigenden Personalkosten und fehlender Planungssicherheit durch politische Reformen trifft gleichzeitig die größten Kostenpositionen und erschwert eine mittelfristige strategische Ausrichtung.
Investitionen: Personal ja, Immobilien nein
Die Investitionsprioritäten verschieben sich laut Trendbarometer Gesundheitswirtschaft deutlich. Personal bleibt mit 76 Prozent das wichtigste Investitionsfeld. Das ist ein Plus von 7 Prozentpunkten gegenüber der Vorerhebung. Auch die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells gewinnt stark an Bedeutung (+25 Prozentpunkte auf 49 %).
Dagegen brechen Immobilieninvestitionen massiv ein: Nur noch 20 Prozent der Befragten nennen Immobilien als Investitionsschwerpunkt. Dies entspricht einem Rückgang von 35 Prozentpunkten. Politische Unsicherheit ist der entscheidende Bremsfaktor, denn 51 Prozent der Einrichtungen stellen Immobilieninvestitionen teilweise oder vollständig zurück. Der Modernisierungs- und Investitionsstau wächst damit weiter.
Liquidität und Auslastung als strategische Prioritäten
Wachstumsthemen treten klar hinter operative Stabilisierungsaufgaben zurück. Die meistgenannten strategischen Prioritäten für 2026 laut Trendbarometer Gesundheitswirtschaft:
- Liquiditätssicherung (56 %)
- Auslastungsoptimierung (51 %)
- Digitalisierung von Versorgungsprozessen (40 %)
- Optimierung der Finanzierungsstruktur (35 %)
Schwachstelle Monatsreporting: Steuerung ohne vollständige Datenbasis
Ein besonders kritischer Befund des Trendbarometers Gesundheitswirtschaft betrifft die interne Unternehmenssteuerung: Nur 49 Prozent der Einrichtungen erhalten Belegungs- und Auslastungsdaten im monatlichen Reporting, obwohl diese Kennzahlen einen zentralen Hebel für die Einnahmensteuerung darstellen. Noch gravierender: Bei rund einem Drittel der Befragten liegt der Monatsbericht erst mehr als 30 Tage nach Monatsende vor. Das ist zu spät, um zeitnah auf Auslastungsschwankungen, Liquiditätsrisiken oder Personalengpässe reagieren zu können.
Fazit: Was das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft 2026 bedeutet
Das 8. Trendbarometer Gesundheitswirtschaft zeigt: Die Branche steckt in einem Modus der Bestandssicherung und das bereits seit Jahren. Politische Unsicherheit, steigender Kostendruck und anhaltender Fachkräftemangel lähmen Investitionen und erschweren eine langfristige strategische Ausrichtung. Eine Trendwende ist auf Basis der aktuellen Daten nicht erkennbar.
Besonders gravierend ist die Kombination aus drei parallelen Belastungen. Lohnkostensteigerungen treffen die Einrichtungen mit voller Wucht, gesetzliche Reformprozesse erzeugen strategische Unsicherheit und der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Dauerproblem. Wer in diesem Umfeld handlungsfähig bleiben will, kann nicht auf externe Entlastung warten, sondern muss intern gegensteuern.
Das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft macht dabei deutlich, wo die größten Hebel liegen. Ein belastbares und zeitnahes Monatsreporting ist die Grundvoraussetzung für wirksame Steuerung. Doch noch immer erhält nur jede zweite Einrichtung Belegungsdaten auf monatlicher Basis. Wer diese Lücke schließt, verschafft sich einen entscheidenden Informationsvorsprung bei der Steuerung von Liquidität, Auslastung und Personaleinsatz.
Gleichzeitig zeigt das Trendbarometer Gesundheitswirtschaft 2026, dass Digitalisierung und Geschäftsmodellentwicklung trotz aller Engpässe als mittel- bis langfristige Antwort auf strukturelle Herausforderungen weiter auf der Agenda bleiben. Einrichtungen, die jetzt in diese Felder investieren, bauen Resilienz für ein Umfeld auf, das auch in den kommenden Jahren anspruchsvoll bleiben wird.
Quelle: 8. Trendbarometer Sozial- und Gesundheitswirtschaft, SozialGestaltung GmbH, KU Gesundheitsmanagement
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