»

Digitalisierung im Gesundheitswesen läuft schleppend

Digitalisierung

Digitalisierung im Gesundheitswesen läuft schleppend

Digitalisierung

2 MIN

Umfragen zeigen Frust über Termine, ePA und langsame Prozesse

Berlin. Eine große Mehrheit der Patientinnen und Patienten fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. 70 Prozent gaben bei einer repräsentativen Umfrage für den heute veröffentlichten „Digital Health Report 2026“ an, dass der Prozess zu langsam voranschreite. Für knapp zwei Drittel gleicht das Bemühen um einen Arzttermin einem Hindernislauf. Zwei von drei Befragten haben deshalb schon einmal auf einen Arztbesuch verzichtet. Der Verband Pharma Deutschland bezeichnete die auch ein Jahr nach dem Start nur geringe Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) als „vertane Chance“. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) warb im ZDF für „ein bisschen mehr Vertrauen“ in die ePA.

Im internationalen Vergleich sehen 68 Prozent der Patienten Deutschland abgehängt, heißt es im Digitalbericht, für den das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Unternehmens Doctolib 1.000 Patienten sowie 414 Ärzte und medizinische Fachangestellte befragt hatte. Beide Seiten bewerten die Digitalisierung als Chance: Knapp 80 Prozent der Ärzte bezeichneten die neuen Möglichkeiten als hilfreich und 72 Prozent der Patienten würden Terminassistenten mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz (KI) nutzen. 

KI-Einsatz für administrative Aufgaben halten laut Umfrage 47 Prozent der Medizinkräfte für vertrauenswürdig – bei medizinischen Entscheidungen ist die Skepsis größer. Insgesamt komme KI im Gesundheitssystem noch viel zu wenig strukturiert zum Einsatz. So greift die Hälfte der befragten Ärzte auf private Tools wie ChatGPT für Recherchen zurück. Fast zwei Drittel der Patienten sind bereit, Gesundheitsdaten mit einer KI zu teilen, sofern die Nutzung freiwillig ist und jederzeit beendet werden kann. Um gesundheitlich generell besser aufgestellt zu sein, wünschen sich 60 Prozent der Patienten Vorsorge-Erinnerungen. 

Die Potenziale der ePA für eine bessere Gesundheitsversorgung liegen aus Sicht von Pharma Deutschland noch weitgehend brach. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Verbandes ergab, dass zwar rund 80 Prozent der Deutschen die ePA kennen, aber bislang nur knapp 20 Prozent sie auch schon verwendet haben. „Die ePA ist technisch da, aber im Alltag noch nicht angekommen“, bilanzierte Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann.

Um die Versorgungsqualität durch Digitalisierung weiter zu verbessern, empfahl der Bundesverband Gesundheits-IT heute einen digital gestützten Medikationsprozess. Dieser müsse in der ePA sowie über einen einheitlich verwendbaren Ausdruck nutzbar sein. Der Verband fordert dazu in einem Positionspapier, die dauerhafte Parallelverwendung des bundeseinheitlichen Medikationsplans und des elektronischen Medikationsplans zu beenden. (imo)

Quelle: AOK Bundesverband

Weitere aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt anmelden!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bauen gemeinsames Telemedizin-Netz auf

Kiel / Schwerin. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen gemeinsam ein länderübergreifendes Telemedizin-Netz für die Gesundheitsversorgung aufbauen. Einen entsprechenden Letter of Intent wurde unterzeichnet.

Digitalisierung

Beitrag lesen
§ 113e SGB XI Digitalisierung Pflege PNOG

Verbändebündnis Digitalisierung in der Pflege: § 113e SGB XI ist ein Anfang – aber in der jetzigen Form nicht ausreichend

Berlin. Das Verbändebündnis „Digitalisierung in der Pflege" begrüßt die im Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) vorgesehene Transformationsklausel nach § 113e SGB XI als überfälligen Schritt. Die Regelung ermöglicht es erstmals, Vergütungsanteile für dauerhaft unbesetzte Pflegestellen in entlastende Techniklösungen umzuwidmen.

Digitalisierung

Beitrag lesen
Telemedizinrucksack NäPa ambulante Versorgung

Telemedizinrucksack und Delegation: vdek-Projekt zeigt, wie ambulante Versorgung im ländlichen Raum funktionieren kann

Berlin. Der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) fordert im Zuge des geplanten Gesetzentwurfs für ein Primärversorgungssystem, Delegation ärztlicher Leistungen und digitale Instrumente konsequenter zu fördern. Wie das in der Praxis aussehen kann, erprobt der vdek gemeinsam mit dem Regionalen Versorgungszentrum (RVZ) Wurster Nordseeküste in Niedersachsen.

Digitalisierung

Beitrag lesen