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ADHS im Arbeitsalltag

ADHS

ADHS im Arbeitsalltag

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Was Personalverantwortliche wissen sollten

Für das Personalmanagement in Krankenhäusern ist ADHS vor allem dort relevant, wo Arbeitsorganisation, Führung und Recruiting auf unterschiedliche Formen von Aufmerksamkeit, Strukturierung und Selbstorganisation treffen. Für Personalverantwortliche lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf Recruiting, Onboarding und Führung. Klare Prozesse, nachvollziehbare Erwartungen und eine strukturierte Kommunikation können dazu beitragen, Potenziale besser zu nutzen und zugleich die Zusammenarbeit im Team zu stärken.

ADHS kann sich unterschiedlich zeigen

Schätzungen zufolge sind weltweit 2,6 bis 2,8 Prozent der Erwachsenen von ADHS betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation ordnet ADHS in der ICD-11 den Störungen der neurologischen Entwicklung zu. Das damit verbundene Muster von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität kann sich auch auf die berufliche Funktionsfähigkeit auswirken.

ADHS kann sich u. a. durch erhöhte Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit, innere Unruhe oder Schwierigkeiten bei Planung, Priorisierung und Selbstorganisation zeigen – wie stark, hängt auch von Tätigkeit und Arbeitsumfeld ab. Im Krankenhaus treffen wechselnde Anforderungen, hohe Informationsdichte und klar geregelte Abläufe aufeinander.

Orientierung beginnt bereits im Recruiting

Eine transparente und gut strukturierte Candidate Journey schafft früh Verlässlichkeit. Stellenanzeigen sollten klar erkennen lassen, welche Anforderungen zwingend erforderlich sind und welche Kompetenzen lediglich wünschenswert sind. Konkret beschriebene Aufgaben, nachvollziehbare Erwartungen und ein realistisches Bild des Arbeitsalltags erleichtern Bewerbenden die Einschätzung, ob eine Position zu ihnen passt.

Auch Vorstellungsgespräche profitieren von klaren Rahmenbedingungen. Informationen zu Gesprächspartnern, Ablauf und thematischen Schwerpunkten helfen, sich auf die Situation einzustellen. Präzise formulierte Fragen können zudem geeigneter sein als sehr offene Gesprächsformate. Entscheidend ist, Anforderungen, Aufgaben und Rahmenbedingungen transparent zu vermitteln, ohne Bewerbende vorschnell bestimmten Verhaltensmustern zuzuordnen.

Strukturiertes Onboarding erleichtert den Einstieg

Der Einstieg in ein Krankenhaus ist mit vielen neuen Informationen verbunden. Zuständigkeiten, Dienstabläufe, Ansprechpartner und Systeme müssen innerhalb kurzer Zeit verstanden werden. Dabei hilft ein strukturiertes Onboarding: Dazu gehören klare Einarbeitungspläne, feste Ansprechpersonen, schriftlich festgehaltene Informationen und Feedbackgespräche. Größere Aufgaben in nachvollziehbare Schritte und Zwischenziele zu unterteilen, erleichtert den Einstieg.

Diese Maßnahmen sind keineswegs ausschließlich für Menschen mit ADHS hilfreich. Klare Zuständigkeiten und verbindliche Kommunikation reduzieren Missverständnisse und erleichtern die Zusammenarbeit im gesamten Team. Erhält z. B. eine neue Mitarbeiterin in der Verwaltung während der ersten Wochen feste Prioritäten und regelmäßige Abstimmungstermine, entsteht schneller Sicherheit. Ähnliches gilt für andere Bereiche, in denen neue Mitarbeitende eine Vielzahl organisatorischer Abläufe kennenlernen müssen.

Gute Führung orientiert sich an konkreten Bedürfnissen

Menschen unterscheiden sich darin, unter welchen Bedingungen sie konzentriert und zuverlässig arbeiten können. Manche benötigen klare Prioritäten, andere profitieren von schriftlichen Zusammenfassungen oder kurzen Abstimmungen

Wo es Tätigkeit und Organisation zulassen, können störungsärmere Arbeitsphasen, eindeutig formulierte Zwischenziele und konkretes Feedback hilfreich sein. Dabei geht es nicht darum, für einzelne Beschäftigte andere Maßstäbe anzulegen. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen Bedingungen Aufgaben zuverlässig erfüllt werden können.

Klare Rahmenbedingungen kommen vielen zugute

ADHS am Arbeitsplatz ist kein Thema, für das Krankenhäuser zwangsläufig spezielle Personalprogramme benötigen. Viele wirksame Maßnahmen entsprechen ohnehin den Grundsätzen professioneller Personalführung: klare Kommunikation, verlässliche Prozesse, nachvollziehbare Prioritäten und regelmäßiges Feedback. Auch im Recruiting und Onboarding lohnt sich diese Perspektive.

Gerade Krankenhäuser sind auf die Zusammenarbeit sehr unterschiedlicher Menschen und Professionen angewiesen. Zeitgemäße Personalprozesse sollten dieser Vielfalt Raum geben, statt unterschiedliche Arbeitsweisen unnötig zu vereinheitlichen. Idealerweise schaffen sie einen Rahmen, in dem unterschiedliche Arbeitsweisen mit den Anforderungen der jeweiligen Aufgabe in Einklang gebracht werden können.

Autor: Ole Arntz, WESTPRESS

Der Artikel ist erschienen in der Ausgabe 10/2026 der KU Gesundheitsmanagement. Lesen Sie alle Ausgaben in unserem KU-Archiv.

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