Resilienz stärken, Finanzierung sichern
Hitzewellen, Starkregen, Sturmschäden und weitere Klimarisiken sind längst betriebliche Realität für Krankenhäuser und Einrichtungen der Gesundheitswirtschaft. Eine Klimarisikoanalyse hilft, standortspezifische Gefahren systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Gleichzeitig fordern Nachhaltigkeitsberichterstattung und Bankenvorgaben belastbare Klimarisikodaten, mit direkten Auswirkungen auf die individuelle Risikobewertung und Kreditkonditionen. Der Beitrag zeigt, warum die Klimarisikoanalyse für Gesundheitseinrichtungen unverzichtbar ist, welche Anforderungen greifen und wie eine praxistaugliche Methodik aussehen kann.
Klimawandel trifft die Schwächsten zuerst
Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen versorgen besonders vulnerable Gruppen wie ältere, chronisch kranke oder pflegebedürftige Menschen, die auf klimatische Extremereignisse sensibel reagieren. Insbesondere für ältere und multimorbide Patientinnen und Patienten erhöhen Hitzetage über 28 °C und Tropennächte über 20 °C das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen und Erschöpfung. Auch das Pflegepersonal ist durch hohe Temperaturen zusätzlich belastet.
Neben Hitze sind weitere Risiken von Bedeutung: Starkregen kann Technikräume und kritische Infrastruktur wie Notstromaggregate oder Server überfluten, Stürme beschädigen Dächer und Fassaden, und Hochwasser kann Standorte zeitweise unzugänglich machen. Diese Ereignisse beeinträchtigen unmittelbar die Versorgungssicherheit und verdeutlichen den langfristigen Investitionsbedarf für Anpassungsmaßnahmen.
Regulatorischer Druck: Wer muss handeln und warum jetzt?
Klimarisiken sind heute integraler Bestandteil des Risikomanagements. Mehrere regulatorische Entwicklungen erhöhen den Handlungsdruck:
- CSRD: Die CSRD verpflichtet große Träger zur Offenlegung physischer Klimarisiken nach ESRS. Dazu zählen akute Klimarisiken wie Extremwetterereignisse, chronische Klimarisiken wie langfristige Temperaturerhöhungen und Übergangsrisiken durch den regulatorischen und wirtschaftlichen Wandel hin zur Klimaneutralität sowie die Bewertung der jeweiligen finanziellen Auswirkungen.
- VSME: Für kleinere Einrichtungen bietet der freiwillige VSME-Standard eine strukturierte Grundlage zur Erfassung und Bewertung von Klimarisiken und erleichtert die Kommunikation mit Banken und Versicherungen.
- BRUBEG: Besonders relevant ist das seit April 2026 geltende Bankenrichtlinienumsetzungs- und Bürokratieentlastungsgesetz, das ESG-Risiken verbindlich in die Kreditvergabe integriert. Banken müssen Klimarisiken in der Risikobewertung und bei Kreditentscheidungen berücksichtigen. Einrichtungen ohne belastbare Daten müssen mit schlechteren Konditionen oder eingeschränktem Kreditzugang rechnen. Viele Banken erfassen ESG-Daten bereits über standardisierte Fragebögen und überführen die Ergebnisse nun in punktbasierte Bewertungssysteme. Für Gesundheitseinrichtungen, die auf Fremdkapital für Investitionen, z. B. für Neubauten, Sanierungen oder Photovoltaik-Anlagen, angewiesen sind, wird eine Klimarisikoanalyse damit direkt finanzierungsrelevant.
Methodik: Praxistauglich und fundiert
Eine Klimarisikoanalyse lässt sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen:
- Standorterfassung: Im ersten Schritt werden alle relevanten Standorte des Trägers erfasst und die Klimarisikoanalyse geografisch eingegrenzt. Ein Krankenhaus in einem Flusstal ist anders exponiert als eine Pflegeeinrichtung auf einer Anhöhe.
- Risikoanalyse: Anschließend werden die für die jeweilige Region relevanten Klimarisiken auf Basis wissenschaftlicher Veröffentlichungen und regionaler Klimaprojektionen identifiziert.
- Risikobewertung: Darauf aufbauend wird für jeden Standort bewertet, wie stark er gegenüber einzelnen Risiken exponiert ist und wie anfällig (sensitiv) die vorhandene Infrastruktur und die betrieblichen Prozesse für Klimarisiken sind. Ein Beispiel: Ein Krankenhaus mit einem Rechenzentrum im Untergeschoss und ohne Rückstausicherung ist bei Starkregen hoch sensitiv. Eine Pflegeeinrichtung ohne Klimaanlage in einem städtischen Wärmeinselbereich ist bei Hitze besonders exponiert.
- Priorisierung & Maßnahmenplanung: Abschließend werden die identifizierten Risiken zusammengeführt, bewertet und priorisiert, sodass konkrete Anpassungsmaß-nahmen abgeleitet werden können. Nicht jedes Risiko erfordert sofortige Investitionen, aber jedes sollte bekannt und dokumentiert sein.
Fazit: Klimarisikoanalyse als Managementaufgabe
Die Klimarisikoanalyse schafft Transparenz über Gefährdungen, unterstützt Investitionsentscheidungen und sichert langfristig die Versorgung. Gleichzeitig verbessert sie die Position gegenüber Banken, Versicherungen und Aufsichtsbehörden und wird damit zu einem entscheidenden Faktor für die Finanzierungsfähigkeit. Mit klarer Methodik, regionalen Daten und strukturiertem Vorgehen lässt sich eine belastbare Analyse effizient durchführen, die sowohl regulatorische Anforderungen erfüllt als auch praktischen Mehrwert für das Management bietet.
Autoren: Dr. Sinja Küppers, Nachhaltigkeitsberaterin, Curacon GmbH; sinja.kueppers@curacon.de und Henryk Kasfeld, Nachhaltigkeitsberater, Curacon GmbH; henryk.kasfeld@curacon.de
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