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WHO analysiert den Einsatz von KI im Klinikalltag

KI im Klinikalltag

WHO analysiert den Einsatz von KI im Klinikalltag

Gesundheitspolitik

3 MIN

Erstmals liegt eine Bestandsaufnahme der EU-Gesundheitssysteme vor

Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in die europäischen Gesundheitssysteme. Mit dem im April 2026 veröffentlichten Bericht „Artificial intelligence is reshaping health systems: state of readiness across the European Union“ legt das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation WHO für Europa (WHO/Europa) erstmals eine systematische Bestandsaufnahme zur Nutzung und Steuerung von KI in den 27 EU-Mitgliedstaaten vor.

Grundlage des Berichts ist eine umfassende Befragung aus den Jahren 2024 und 2025, an der alle EU-Staaten teilgenommen haben. Ziel ist es, den Stand der strategischen, rechtlichen und organisatorischen Voraussetzungen für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI im Gesundheitswesen zu bewerten und Handlungsperspektiven aufzuzeigen.

Einsatzfelder von KI im Krankenhaus

Ein zentrales Ergebnis: KI wird bereits breit eingesetzt – vor allem in der medizinischen Bildgebung, bei der Diagnostik, der klinischen Entscheidungsunterstützung sowie in administrativen Prozessen.

  • Rund drei Viertel der EU-Länder berichten über den Einsatz KI-gestützter Diagnostiksysteme.
  • Mehr als 60 Prozent nutzen KI bereits zur Unterstützung der Patientenkommunikation, etwa in Form von Chatbots.

Gleichzeitig variiert der Reifegrad stark – sowohl zwischen den Mitgliedstaaten als auch innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme.

Strategie und Governance: Noch Ausbaufähig

Für Krankenhausmanager ist besonders relevant, dass Strategie und Governance der KI-Nutzung vielfach noch unzureichend entwickelt sind. Zwar verfügen fast alle EU-Staaten über nationale, meist sektorübergreifende KI-Strategien. Spezifische KI-Strategien für den Gesundheitsbereich existieren jedoch bislang nur in wenigen Ländern.

Krankenhäuser agieren damit häufig in einem Spannungsfeld aus technischer Innovation und fehlender Klarheit zu Verantwortlichkeiten und langfristigen Zielbildern. Der Bericht empfiehlt, bestehende Strategien regelmäßig zu aktualisieren und klar zu definieren, welche Stellen für Umsetzung und Aufsicht zuständig sind.

Auch der rechtliche Rahmen befindet sich im Aufbau. Der Bericht verweist auf die neue EU-KI-Verordnung sowie auf bestehende Datenschutzregelungen, macht aber deutlich, dass viele Mitgliedstaaten noch an der Konkretisierung für den Gesundheitsbereich arbeiten. Nur wenige Länder haben bislang spezifische Leitlinien zu Haftung, Ethik-by-Design oder zur Überwachung von KI-Systemen im Versorgungsalltag entwickelt.

Für Krankenhausleitungen erhöht dies den Bedarf an interner Governance, Risikomanagement und klaren Entscheidungsstrukturen bei der Einführung von KI-Anwendungen.

Qualifizierung: Ein Zentrales Handlungsfeld

Ein weiteres zentrales Handlungsfeld betrifft die Qualifikation der Beschäftigten. WHO/Europa stellt fest, dass KI-Kompetenzen im Gesundheitswesen noch nicht systematisch verankert sind:

  • Weniger als ein Drittel der EU-Staaten bietet strukturierte Aus- oder Weiterbildungsangebote zu KI für Gesundheitsberufe an.
  • Erst rund die Hälfte der Länder hat neue Berufsprofile für KI und Datenexpertise im Gesundheitswesen geschaffen.

Mit der zunehmenden Integration von KI in den klinischen Alltag wird es immer wichtiger, dass das medizinische Personal über die Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt, um sicher und effektiv mit diesen Technologien zu arbeiten. Schließlich tragen die Ärzte weiterhin die rechtliche und ethische Verantwortung für Entscheidungen, die sich auf Technologien stützen, die sie möglicherweise nicht vollständig verstehen.

Großes Potenzial – Verantwortungsvoller Einsatz entscheidend

Insgesamt kommt WHO/Europa zu dem Schluss, dass KI das Potenzial hat, die Versorgung wirksamer, Prozesse effizienter und Gesundheitssysteme resilienter zu gestalten – vorausgesetzt, sie wird strategisch gesteuert, qualitätsgesichert und am Gemeinwohl ausgerichtet eingesetzt.

Für Krankenhäuser bedeutet dies, dass Qualifizierung und Akzeptanz von KI zunehmend zu Managementaufgaben werden – nicht allein aus technischer, sondern auch aus ethischer und organisatorischer Sicht. Wer KI frühzeitig in Gesamtstrategie, Personalentwicklung und Organisationskultur integriert, kann dazu beitragen, sie verantwortungsvoll und zukunftsorientiert im Klinikalltag zu verankern.

Quelle

Der vollständige WHO-Bericht ist abrufbar unter: WHO/Europa – Artificial intelligence is reshaping health systems

Autorin: Susanne Bauer, SozialBank

Artikel erschienen in KU Gesundheitsmanagement 06/2026.

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