Stuttgart. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Baden-Württemberg hat sich laut dem aktuellen BWKG-Indikator 1/2026 weiter dramatisch verschlechtert. Knapp drei Viertel aller Kliniken rechnen für das laufende Jahr mit einem negativen Ergebnis – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. BWKG-Vorstandsvorsitzender Heiner Scheffold fordert vom Land ein Krankenhaus-Nothilfeprogramm, um einen unkontrollierten Strukturwandel zu verhindern.
Wirtschaftliche Lage auf Rekordtief
Für 2026 gehen 74,8 Prozent der befragten Krankenhäuser von einem Verlust aus – gegenüber 64 Prozent im Jahr 2025 ein erheblicher Anstieg. Noch alarmierender ist die Zukunftsperspektive: 79,3 Prozent der Geschäftsführenden erwarten eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation ihrer Einrichtung. Damit erreicht dieser Wert den zweithöchsten Stand seit Einführung des BWKG-Indikators im Jahr 2010. Befragt wurden die Geschäftsführenden der baden-württembergischen Krankenhäuser im Juni und Juli 2026.
Der aktuelle BWKG-Indikator zeigt eine dramatische Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser im Land. Drei von vier Kliniken rechnen für 2026 mit Verlusten. Die Krankenhäuser stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand.
Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft
Defizit droht sich bis 2027 fast zu verdoppeln
Als wesentliche Ursachen für die Misere nennt Scheffold den Wegfall des Rechnungszuschlags sowie die Einschnitte durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Diese Maßnahmen hätten die Finanzierungsbasis der Kliniken massiv geschwächt. Weder die Kliniken selbst noch ihre Träger – ob öffentlich, privat, freigemeinnützig oder kommunal – seien dauerhaft in der Lage, die entstehenden Defizite durch eigene Mittel auszugleichen.
Kalter Strukturwandel bedroht flächendeckende Versorgung
Scheffold warnt vor einem schleichenden, ungeplanten Rückbau der Versorgungsstrukturen. Kliniken seien zunehmend gezwungen, ihr Angebot an den verfügbaren Finanzmitteln auszurichten – und nicht an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung.
Die Kliniken befinden sich im Krisenmodus und müssen ihre Strukturen an die bereitgestellten Finanzmittel anpassen. Wir befürchten und sehen bereits heute schon einen kalten Strukturwandel, bei dem immer öfter allein das Geld und nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung darüber entscheiden, ob Leistungen noch an einem Standort erbracht werden.
Heiner Scheffold
Solche ungeplanten Einschnitte gefährdeten eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung. Scheffold fordert daher konkrete Gegenmaßnahmen: „Das Land muss ab 2027 ein Krankenhaus-Nothilfeprogramm auflegen, um den kalten Strukturwandel zu verhindern.“ Nur mit verlässlicher Finanzierung könne die notwendige Transformation der Krankenhauslandschaft geordnet gelingen. Andernfalls seien auch die gewachsene Trägervielfalt und eine wohnortnahe Versorgung gefährdet.
Personalabbau und Stellenbesetzung als wachsende Probleme
Die angespannte Finanzlage schlägt sich zunehmend auf die Beschäftigung nieder. Laut BWKG-Indikator 1/2026 erwägen 27,5 Prozent der Krankenhausgeschäftsführenden, Personal abzubauen.
Gleichzeitig bleibt die Besetzung offener Stellen in vielen Bereichen schwierig: 47,7 Prozent der Geschäftsführenden bezeichnen die Stellenbesetzung im ärztlichen Dienst als schwierig oder eher schwierig. Im Pflegebereich berichten 56 Prozent von Problemen, im Funktionsdienst sogar 63,9 Prozent. Dass diese Werte gegenüber den Vorjahren leicht gesunken sind, erklärt Scheffold nüchtern: „Dass die Besetzung freier Stellen leichter wird, ist also eine direkte Folge der finanziellen Not.“
Forderung nach Planungssicherheit statt Bürokratie
Scheffold macht deutlich, was die Kliniken jetzt brauchen: „Die Krankenhäuser brauchen keine neuen bürokratischen Belastungen, sondern praxisnahe Rahmenbedingungen, eine ausreichende Finanzierung und echte Planungssicherheit. Nur dann können sie den notwendigen Strukturwandel bewältigen, attraktive Arbeitsbedingungen bieten und die Versorgung der Menschen im Land dauerhaft sichern.“
Die Ergebnisse des BWKG-Indikators 1/2026 zeichnen damit ein eindeutiges Bild: Ohne politisches Gegensteuern droht den Krankenhäusern in Baden-Württemberg eine Abwärtsspirale aus Defiziten, Personalabbau und Leistungseinschränkungen, die letztlich die Patientenversorgung im gesamten Land gefährdet.
Quelle: BWKG Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft e.V.





