»

Roland-Berger-Krankenhausstudie 2026: Kliniken planen die Krise ein

Roland-Berger-Krankenhausstudie 2026: Kliniken planen die Krise ein

Aus der Praxis

3 MIN

München. Die Krankenhäuser in Deutschland geraten wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Laut der Roland-Berger-Krankenhausstudie 2026 verzeichnen 73 Prozent der befragten Kliniken Defizite, und die Verluste haben sich deutlich verschärft. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz kommt ab 2027 ein weiterer Belastungsfaktor hinzu.

Defizite nehmen an Höhe zu

Für die Studie wurden im Juni und Juli 2026 rund 600 Führungskräfte aus dem deutschen Krankenhaussektor befragt. Der Anteil defizitärer Häuser ist im Jahr 2025 zwar leicht gesunken, die Höhe der Verluste hat sich jedoch dramatisch verschärft. Mehr als jedes zweite Krankenhaus schloss das Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von 10 bis 25 Prozent seines Umsatzes ab. Nur rund jedes zehnte Haus erreichte eine positive Ergebnismarge.

Planung wird präziser, aber nicht profitabler

84 Prozent der Häuser erreichten 2025 das im Wirtschaftsplan festgelegte Jahresergebnisziel. In den Vorjahren war dies nur etwa der Hälfte gelungen. Diese höhere Trefferquote ist jedoch kein Zeichen der Erholung: Fast vier von fünf defizitären Häusern erfüllten ihren Plan, weil die erwarteten Verluste bereits einkalkuliert waren. Für Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien rückt daher eine andere Frage in den Mittelpunkt. Entscheidend ist nicht mehr, ob ein Ziel erreicht wurde, sondern ob das geplante Ergebnis auf Dauer tragfähig ist.

Ausblick bleibt angespannt

Rund zwei Drittel der Häuser rechnen bis Ende 2029 mit schlechteren Jahresergebnissen und einer weiteren Verschlechterung ihrer Liquidität. Bis 2031 hellt sich die Erwartung nur teilweise auf. Knapp die Hälfte der Kliniken geht weiterhin von rückläufigen Ergebnissen aus, lediglich jedes vierte Krankenhaus erwartet eine Verbesserung. 45 Prozent bewerten ihre aktuelle Liquidität als gefährdet oder stark gefährdet.

Erlösverlust von sieben Prozent ab 2027

Im Durchschnitt erwarten die Kliniken durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Jahr 2027 einen Erlösverlust von sieben Prozent. Als größte Risiken gelten die Streichung der Tarifrefinanzierung, ausgeweitete Prüfregelungen und der Wegfall pauschaler Zusatzvergütungen. Gut ein Drittel der Häuser sieht dadurch seine mehrjährige Finanzplanung erheblich belastet. Ein Viertel bewertet die Fortführung des Betriebs ohne strukturelle Eingriffe als existenzgefährdet.

Operative Maßnahmen dominieren die Reaktion

Bislang reagieren die Kliniken vor allem operativ. Rund neun von zehn Häusern planen Personalmaßnahmen außerhalb der Pflege. Jeweils gut zwei Drittel wollen im Pflegebereich ansetzen sowie bei der Aufgabenverteilung, der Dokumentation, der Kodierung, dem Entlassmanagement und den Sachkosten. Strukturelle Maßnahmen nennen dagegen nur 49 Prozent.

Mehr als jedes zweite Haus verschiebt Investitionen, um den Erlösdruck kurzfristig abzufedern. Das verbessert zwar kurzfristig die Ergebnis- und Liquiditätssituation, aber die Verluste sind mittlerweile zu hoch. Ohne strategische und strukturelle Maßnahmen, die von vielen Beteiligten einiges abverlangen, wird aber kein Krankenhaus seine Zukunft langfristig sichern können.

Peter Magunia, Senior Partner bei Roland Berger

Die Befunde zeigen, dass kurzfristige Entlastungen die Ergebnis- und Liquiditätssituation zwar kurzfristig verbessern, eine langfristige Sicherung der Krankenhäuser aber ohne strategische und strukturelle Schritte nicht gelingt.

Quelle: Roland Berger

Weitere Aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt Anmelden!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Clinical Data Repository Universitätsmedizin Mainz UM.Core

Universitätsmedizin Mainz führt Clinical Data Repository für Patientenversorgung und Forschung ein

Die Universitätsmedizin Mainz führt mit UM.Core ein Clinical Data Repository für Patientenversorgung und Forschung ein. Die herstellerunabhängige Plattform führt Daten aus klinischen Systemen zusammen.

Aus der Praxis

Beitrag lesen
Europäischer Gesundheitskongress München 2026

Europäischer Gesundheitskongress München 2026: Mut zum Wandel prägt das 25. Jubiläum

Der 25. Europäische Gesundheitskongress München diskutierte unter dem Motto „Den Mutigen gehört die Zukunft!“ über GKV-Finanzierung, Leistungsumfang und Innovation im Gesundheitswesen.

Aus der Praxis

Beitrag lesen
Drohne Klinikum Kassel Schnellschnitt Testbetrieb

Drohne verbindet Kasseler Kliniken: Klinikum Kassel und Diakonie Kliniken Kassel starten Testbetrieb für Schnellschnitte

Kassel. Das Klinikum Kassel und die Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel erproben gemeinsam mit dem Schweizer Drohnenunternehmen Jedsy den Transport medizinischer Proben per Drohne. Ziel ist, zeitkritische Gewebeproben schneller und verlässlicher zwischen den Klinikstandorten zu transportieren.

Aus der Praxis

Beitrag lesen