Frühes Handeln, statt spätes Reagieren
Halle (Saale)/Hamburg/Dresden/Frankfurt am Main/Düsseldorf. Bei der dritten Auflage der Fachveranstaltung „Kliniken auf der Intensivstation: Ideenkonzepte für Krankenhäuser in der Krise“ kamen an der Hochschule Fresenius in Hamburg führende Experten aus Krankenhausmanagement, Restrukturierung, Insolvenzrecht und Gesundheitswirtschaft zusammen, um konkrete Wege aus der Krankenhauskrise zu diskutieren. Die zentrale Botschaft: Die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken verschärft sich weiter und erfordert entschlossenes und frühzeitiges Handeln.
Zum Auftakt zeichnete Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), ein eindringliches Bild der aktuellen Situation. Die Absage des diesjährigen Sommerempfangs der DKG sei Ausdruck der dramatischen Lage. Angesichts politischer Entscheidungen zulasten der Krankenhäuser und ihrer 1,4 Millionen Beschäftigten seien „Smalltalk und Häppchen“ nicht die angemessene Antwort auf eine Entwicklung, die zahlreiche Kliniken in existenzielle Schwierigkeiten bringe. Prognosen zufolge bestehe bis 2030 für rund die Hälfte aller Krankenhäuser ein erhebliches Insolvenzrisiko.
Praxisnahe Lösungsansätze standen anschließend im Mittelpunkt. Prof. Dr. Lars Timm, Vorstand der HC&S AG und Geschäftsführer des Krankenhauses Geesthacht, berichtete über die erfolgreiche Sanierung des Hauses. Nur wenige Monate nach Abschluss eines ersten Insolvenzverfahrens musste erneut der Weg zum Insolvenzgericht angetreten werden. Ausgangspunkt war ein negativer Deckungsbeitrag des somatischen Bereichs von bis zu 7,5 Mio. Euro. Der Weg aus der Krise gelang über eine konsequente medizinstrategische Neuausrichtung mit klarer Fokussierung auf Schwerpunkte. Für 2027 wird inzwischen ein EBITDA in Höhe von rund 1,2 Mio. Euro erwartet.
Wie eine ähnliche Entwicklung verhindert werden kann, schilderte Dr. John Näthke, Generalbevollmächtigter der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt zu Flensburg. Nach Abschluss eines Insolvenzverfahrens im Jahr 2023 gelang es dem DIAKO Krankenhaus Flensburg, eine drohende Doppelinsolvenz zu vermeiden. 2024 wurde der Verlust halbiert, 2025 bereits ein positives Ergebnis erzielt. Seine klare Botschaft: Kostenreduktion vor Umsatzsteigerung. Ebenso wichtig seien Verbündete, Veränderungsbereitschaft und die Rückgewinnung des Stolzes auf das eigene Haus. „Dass ein ‚Weiter so‘ nicht funktioniert, ist inzwischen jedem klar“, so Näthke.
Die haftungsrechtliche Perspektive beleuchtete Dr. Georg Bernsau von K+L Gates. Geschäftsführer und Vorstände sähen sich in Krisensituationen mit deutlich verschärften Organpflichten konfrontiert. Entscheidend seien das rechtzeitige Erkennen von Risiken, die Einhaltung gesetzlicher Fristen sowie eine konsequente Dokumentation aller Maßnahmen. Wer frühzeitig und rechtssicher handle, könne Haftungsrisiken auf ein beherrschbares Maß reduzieren.
Besonders eindringlich warnten die Insolvenzexperten Thomas Mulansky und Prof. Dr. Lucas Flöther vor den Auswirkungen des KHAG sowie der von der Bundesregierung geplanten Gesundheitsreform, die den Krankenhäusern weitere 5,1 Mrd. Euro entziehen soll. Flöther, der die Veranstaltung moderierte, schloss sich dieser Einschätzung ausdrücklich an. Die wirtschaftlichen Folgen würden längst nicht nur defizitäre Häuser treffen, eine Entwicklung, die zuvor auch Marco Martin von Accenture aus Reformperspektive eingeordnet hatte.
„Auch aktuell gut laufende Krankenhäuser werden erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen müssen“, betonte Mulansky. Umso wichtiger sei es, dass sich Klinikgeschäftsführungen frühzeitig mit der Frage der Fortbestandsprognose auseinandersetzen. Das frühzeitige Hinzuziehen externer Expertise zur Vermeidung persönlicher Haftungsrisiken müsse vor diesem Hintergrund das Gebot der Stunde sein, ergänzte Flöther.
Zum Abschluss zog HC&S-CEO Dr. Nicolas Krämer ein klares Fazit: „Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Rahmenbedingungen verändern sich dramatisch. Krankenhausmanagement beginnt heute mit einer ehrlichen Analyse der Fortbestandsfähigkeit und dem Mut, frühzeitig zu handeln.“
Quelle: HC&S AG




