Geesthacht. Nur wenige Monate nach dem Neustart mit einem fokussierten Leistungsportfolio hat das Krankenhaus Geesthacht die wirtschaftliche Sanierung erfolgreich abgeschlossen. Das Haus verzeichnet positive Monatsergebnisse – ein Ergebnis, das laut Geschäftsführung entgegen dem bundesweiten Trend erzielt wurde. Die konsequente Ausrichtung auf Psychiatrie, Geriatrie und Innere Medizin hat sich als tragfähiges Modell erwiesen. Ende Oktober sollen auf einer Pressekonferenz die Halbjahreszahlen und weitere Entwicklungsschritte vorgestellt werden.
Spezialisierung als Schlüssel zur Stabilität
Nach zwei Insolvenzverfahren und der Übernahme der Trägerschaft durch die CTP-Gruppe von den Johannitern hat das Krankenhaus Geesthacht einen bemerkenswerten Kurswechsel vollzogen. Das Leistungsangebot wurde konsequent auf drei Schwerpunkte konzentriert: Geriatrie, Psychiatrie und Innere Medizin. Die internistische Aufnahme ist täglich rund um die Uhr geöffnet; rund 400 Beschäftigte arbeiten am Standort. Dieser strukturelle Fokus zahlt sich nun aus: Die Geriatrie verzeichnet 2026 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegene Fallzahlen und ist auf inzwischen 78 Betten angewachsen.
Psychiatrische Versorgung für 205.000 Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg
Im Rahmen des Regionalbudgets trägt das Krankenhaus die psychiatrische Versorgungsverantwortung für rund 205.000 Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg. Das Netz psychiatrischer Tageskliniken umfasst mittlerweile die Standorte Geesthacht, Mölln, Schwarzenbek sowie das kürzlich eröffnete Angebot in Lauenburg mit 20 Plätzen. Für Ratzeburg ist eine weitere Tagesklinik in Planung – ergänzend zur dort bereits bestehenden Psychiatrischen Institutsambulanz. Auch in der Geriatrie sind weitere Angebote im Haupthaus am Runden Berge vorgesehen.
Vitalcampus als integriertes Versorgungsmodell
Das Krankenhaus ist Teil des Vitalcampus Geesthacht, dem neben dem Krankenhaus auch das Seniorenzentrum, das Medizinische Versorgungszentrum und weitere Partner angehören. Für ältere Patientinnen und Patienten bedeutet das: Akutbehandlung, ambulante Versorgung und Pflege sind räumlich gebündelt und eng miteinander verzahnt.
„Wir haben dieses Ergebnis entgegen dem bundesweiten Trend gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden erreicht“, sagt Geschäftsführer und HC&S-Vorstand Prof. Dr. Lars Timm. Laut Deutschem Krankenhausinstitut schrieben zuletzt rund zwei Drittel der Krankenhäuser in Deutschland Verluste.
Gespart haben wir auch. Entscheidend war aber die Spezialisierung. Ein Haus dieser Größe kann sich wirtschaftlich tragen, wenn es sich auf das konzentriert, was es besonders gut kann. Was die Krankenhausreform verlangt, haben wir hier damit früher umgesetzt, als es gefordert war.“ Zugleich habe das Haus unwirtschaftliche Bürokratie abgebaut und Abläufe vereinfacht. „Das macht uns schneller und gibt uns Schlagkraft für die nächsten Schritte, die wir planen. Wir müssen noch viele Themen anfassen, die in den letzten Jahren bedauerlicherweise nicht verfolgt wurden.
Prof. Dr. Lars Timm
Regionale Versorgung als Auftrag
Capt. Thomas Pötzsch, Gesellschafter und Geschäftsführer, betont den Versorgungsauftrag für die Region: „Der Bedarf in der Region ist groß, gerade in der Altersmedizin und in der Psychiatrie. Die Menschen hier sollen diese Versorgung vor Ort finden. Und sie sollen sie an einem Ort finden. Spezialisierung und Vernetzung sind kein Widerspruch: Zusammen bringen sie bessere Medizin und eine tragfähige Struktur. Deshalb bauen wir das Angebot im Kontext der sehr zukunftsweisenden Initiative des Landes Schleswig-Holstein zur Krankenhausreform weiter aus.“
Ältere Menschen kommen selten mit nur einer Erkrankung zu uns. Sie brauchen jemanden, der den ganzen Menschen sieht, und sie brauchen nach dem Krankenhaus jemanden, der weitermacht. Auf diesem Campus sind die Wege dafür kurz, und wir kennen die Menschen.
Dr. Martin Willkomm, Ärztlicher Direktor
Erleichterung in der Belegschaft
Für die Mitarbeitenden fasst Betriebsratsvorsitzende Anne-Kathrin Hille die Stimmung zusammen: „Wir sind durch zwei Insolvenzen gegangen und trotzdem noch da. Dafür hat jede und jeder hier gekämpft. Dass es wieder aufwärts geht, spürt man auf jeder Station. Da fällt einem ein Stein vom Herzen.“ Für die Zukunft wünsche sich die Belegschaft vor allem: „Dass wir so weitermachen können, wie wir uns jetzt erfolgreich aufgestellt haben. Das haben sich die Kolleginnen und Kollegen verdient.“
Genau zwei Jahre nach Bekanntgabe der ersten Insolvenz markiert die wirtschaftliche Stabilisierung einen Wendepunkt für das Krankenhaus Geesthacht. Sichtbares Zeichen der Erholung: Die Jahressonderzahlung kann im November aus eigener Kraft ausgezahlt werden. „Der Weg führte über Stock und Steine. Doch: Wir haben uns gemeinsam herausgekämpft. Dem Ziel, Geesthacht zu einem Pilotprojekt für tragfähige, regionale Versorgung zu entwickeln, sind wir mit diesem Zwischenergebnis ein gutes Stück nähergekommen“, resümiert Capt. Pötzsch. Auf der Pressekonferenz Ende Oktober werden Geschäftsführung und Gesellschafter die Zahlen des ersten Halbjahres sowie die Pläne für die kommenden Monate vorstellen; auch Fachleute aus der Krankenhausbranche sind eingeladen, die Entwicklung einzuordnen.
Quelle: HC&S AG





