Berlin. Das Krankenhaus-Konjunkturbarometer von Deutschem Krankenhausinstitut (DKI) und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) zeichnet für das zweite Quartal 2026 ein alarmierendes Bild: Nur 14 Prozent der deutschen Kliniken bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut, während 58 Prozent sie als unbefriedigend einstufen. Der nach ifo-Methodik berechnete Geschäftsklima-Index liegt bei minus 51. Damit liegt er deutlich unterhalb des schwächsten Wertes, den das ifo-Institut bislang in irgendeinem anderen Wirtschaftszweig gemessen hat.
Wirtschaftliche Lage: Besonders ländliche Kliniken und Großhäuser betroffen
Die Ergebnisse der repräsentativen Online-Befragung von 274 Krankenhäusern mit mehr als 100 Betten zeigen erhebliche Unterschiede je nach Standort und Größe der Einrichtungen. In ländlichen Regionen beurteilen zwei von drei Krankenhäusern ihre wirtschaftliche Situation als unbefriedigend. Noch kritischer ist die Lage bei großen Kliniken mit mehr als 600 Betten. Dort sprechen 77 Prozent der Befragten von einer unbefriedigenden wirtschaftlichen Lage.
Der Geschäftsklima-Index, der Werte zwischen minus 100 und plus 100 annehmen kann, liegt mit minus 51 um 18 Punkte unter dem bisherigen Tiefstwert aller vom ifo-Institut untersuchten Branchen – dem Handel mit minus 32,7. Damit befindet sich der Krankenhaussektor in einer wirtschaftlichen Ausnahmesituation, die selbst im gesamtwirtschaftlichen Vergleich ohne Beispiel ist.
Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026: Mehrheit erwartet weitere Verschlechterung
Die Perspektive für die zweite Jahreshälfte 2026 fällt noch düsterer aus als die aktuelle Bestandsaufnahme. 61 Prozent der befragten Kliniken gehen davon aus, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den kommenden Monaten weiter verschlechtern wird. Das Konjunkturbarometer erschien erstmals im ersten Quartal 2026 und wird seither regelmäßig erhoben.
DKG-Chef Gaß fordert politisches Handeln und Entbürokratisierung:
Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist nicht nur schlecht, sondern dramatisch. Der Geschäftsklima-Index der Krankenhäuser unterschreitet noch einmal deutlich die düsteren Aussichten des Einzelhandels. Mit 1,7 Millionen Beschäftigten gehört der Krankenhaussektor zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen des Landes. Er ist damit nicht nur für die Gesundheitsversorgung der Menschen von elementarer Bedeutung, sondern auch für die gesamte Volkswirtschaft. Der verheerende Geschäftsklima-Index von minus 51 müsste die Politik eigentlich wachrütteln und zu Krisensitzungen und Sofortprogrammen führen. Das Gegenteil ist der Fall, wie jüngst das GKV-Spargesetz gezeigt hat, das die Kliniken noch einmal tiefer in die wirtschaftliche Unsicherheit stürzen wird. Nach den Kürzungen im Krankenhaussektor durch das Spargesetz müssen sich jetzt Strukturen so ändern, dass die Kliniken mit den geschrumpften Budgets wirtschaften können, ohne die Versorgung für die Patientinnen und Patienten allzu stark einschränken oder Beschäftigte entlassen zu müssen. Dafür ist unter anderem Entbürokratisierung und Deregulierung unverzichtbar. Der neue Gesundheitsminister hat sich in der Vergangenheit immer wieder für weniger Bürokratie ausgesprochen. Er hat jetzt die Möglichkeit, dies zumindest im Gesundheitswesen schnell und kraftvoll umzusetzen.
Dr. Gerald Gaß
Strukturwandel unter Druck: Versorgung und Beschäftigung auf dem Spiel
Die Zahlen des Konjunkturbarometers verdeutlichen, dass die Krankenhausbranche mit 1,7 Millionen Beschäftigten nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch volkswirtschaftlich von zentraler Bedeutung ist. Angesichts der Budgetkürzungen durch das GKV-Spargesetz steht die Branche vor der Herausforderung, Strukturanpassungen vorzunehmen, ohne dabei die Patientenversorgung wesentlich einzuschränken oder Stellen abzubauen. Als zentrales Instrument zur Bewältigung dieser Lage nennt die DKG den Abbau bürokratischer Hürden – eine Forderung, die nun an den neuen Bundesgesundheitsminister adressiert wird.
Die aktuelle Umfrage finden Sie unter diesem Link.
Quelle: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)





