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Kreistag des Landkreises Harz beschließt 39-Millionen-Euro-Rettungspaket für das Harzklinikum

Harzklinikum

Kreistag des Landkreises Harz beschließt 39-Millionen-Euro-Rettungspaket für das Harzklinikum

Aus der Praxis

3 MIN

Landkreis geht an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit

Quedlinburg. Mit einem Gesamtvolumen von rund 39 Millionen Euro geht der Landkreis Harz an die Grenzen seiner finanziellen Leistungsfähigkeit, um eine ernsthafte Gefährdung der medizinischen Versorgung für rund 207.000 Menschen in einer zentralen Versorgungsregion und im Versorgungsgebiet West in Sachsen-Anhalt abzuwenden. Die beschlossenen Maßnahmen leisten einen entscheidenden Beitrag dazu, die bestehende Versorgung von jährlich rund 100.000 Patientenfällen im Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben GmbH (im Folgenden: Harzklinikum) auch künftig aufrechtzuerhalten.

Der Kreistag des Landkreises Harz hat in seiner Sitzung vom 8. April 2026 ein weitreichendes Maßnahmenpaket für das Harzklinikum verabschiedet. Es umfasst drei Bausteine mit einem Gesamtvolumen von rund 39 Millionen Euro:

  • Ausgleich der Jahresfehlbeträge 2024 und 2025 in Höhe von insgesamt rund 13,7 Millionen Euro, der dem Abbau des Eigenkapitals der GmbH entgegenwirkt
  • Übernahme einer Bürgschaft von bis zu 15,3 Millionen Euro zur Absicherung eines gerichtlichen Vergleichs mit der Zusatzversorgungskasse (ZVK)
  • Investitionsmittel von bis zu 10 Millionen Euro aus dem kommunalen Infrastruktur-Sondervermögen für die Modernisierung und Digitalisierung der Standorte

Die notwendigen Beschlüsse fasste der Kreistag jeweils einstimmig. Landrat Thomas Balcerowski wertete diese Geschlossenheit als „ein starkes Bekenntnis zum kommunalen Harzklinikum und als wichtiges Signal für eine stabile Gesundheitsversorgung der Harzer Bevölkerung“. Die Maßnahmen sichern den Fortbestand und die Handlungsfähigkeit des Klinikums.

Das Paket ist ein Kraftakt. Der Landkreis Harz selbst steht – wie alle Landkreise in Sachsen-Anhalt – vor erheblichen Haushaltsproblemen. Keiner der Kreise konnte zuletzt einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. Der Landkreis geht mit diesem Beschluss an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit. Denn im gestern ebenfalls durch den Kreistag beschlossenen Kreishaushalt für das laufende Jahr gibt es ein Defizit von 20,6 Millionen Euro.

„Wir tun es, um eine ernsthafte Gefährdung der regionalen Versorgungssicherheit abzuwenden“, unterstreicht Landrat Thomas Balcerowski. Und er ergänzt: „Wir machen das nicht, weil es einfach wäre. Wir machen es, weil es notwendig ist. Der Zusammenbruch der medizinischen Versorgung in unserer Region wäre eine Katastrophe, die wir nicht zulassen können.“

Balcerowski dankte dem Kreistag für diesen Beschluss. Er sei ein klares Bekenntnis – zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung, zu den Patienten und zu den rund 2.400 Beschäftigten, die im Harzklinikum-Konzern arbeiten.

Die Verluste der Jahre 2024 und 2025 sind kein Ergebnis unternehmerischen Versagens. Sie sind Ausdruck eines vielschichtigen Problems, das Krankenhäuser deutschlandweit trifft. Das Land Sachsen-Anhalt hat das Harzklinikum über drei Jahrzehnte mit mehr als 100 Millionen Euro Investitionsmitteln gefördert – das verdient ausdrückliche Anerkennung. Gemessen an jährlich rund 30.000 stationären Fällen entspricht das im Schnitt gut 110 Euro je stationärem Patientenfall pro Jahr. Doch der Investitionsbedarf eines modernen Schwerpunktversorgers ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – bei Baukosten, Energie und Sachaufwand gleichermaßen.

Hinzu kommt die Personalseite. Der vorletzte Tarifabschluss mit ver.di hat das Harzklinikum allein über drei Jahre mit rund 10 Millionen Euro belastet. Dieser Abschluss war richtig und notwendig: Ohne wettbewerbsfähige Gehälter lässt sich qualifiziertes Pflegepersonal und ärztliches Fachpersonal in einer ländlichen Region weder halten noch gewinnen. Das Problem liegt nicht im Tarifabschluss selbst, sondern darin, dass die gesetzlichen Refinanzierungsmechanismen Kostensteigerungen dieser Größenordnung nur zum Teil abdecken. Ein nicht unerheblicher Betrag verbleibt als Verlust direkt beim Klinikum – und summiert sich über Jahre.

Quelle: Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben GmbH

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