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NKG und Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi fordern zügiges Bürokratierückbaugesetz

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NKG und Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi fordern zügiges Bürokratierückbaugesetz

Gesundheitspolitik

4 MIN

Hannover. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) und Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi erhöhen den Druck auf den Bund. In einem gemeinsamen Appell fordern sie Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann auf, das angekündigte Bürokratierückbaugesetz ohne weiteren Aufschub auf den Weg zu bringen. Hintergrund ist die wachsende Belastung der Kliniken durch Dokumentations- und Berichtspflichten. Dies geschieht bei gleichzeitig beschlossenen Kürzungen und Reformmaßnahmen auf Bundesebene. Beim Krankenhausgipfel in Berlin hatte Linnemann vergangene Woche unter anderem angekündigt, Doppelprüfungen zu reduzieren und risikoorientierte Kontrollen stärker in den Vordergrund zu rücken.

Reformdruck trifft auf bürokratische Mehrbelastung

Die niedersächsischen Kliniken stehen nach Einschätzung der NKG unter erheblichem Druck. Denn Bundesreformen und Mittelkürzungen engen die finanziellen Spielräume der Häuser ein. Währenddessen bleibt der bürokratische Aufwand für das medizinische und pflegerische Personal unvermindert hoch. NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke macht deutlich, dass staatliche Einschränkungen zwingend mit dem Abbau überflüssiger Vorgaben einhergehen müssen:

Die Krankenhäuser stehen durch die von der Bundesregierung beschlossenen Reformen und Kürzungen massiv unter Druck. Wenn finanzielle Spielräume eingeschränkt werden, muss der Staat im Gegenzug unnötige Vorgaben zurücknehmen und mehr Handlungsfreiheit ermöglichen. Der Bund muss jetzt liefern und die angekündigten Entlastungen schnell in den Kliniken spürbar machen. Wir brauchen weniger Kontroll- und Dokumentationsbürokratie und mehr Vertrauen in die Kompetenz der Menschen, die täglich Verantwortung für die Patientinnen und Patienten übernehmen.

Helge Engelke

Ergebnisqualität statt kleinteiliger Dokumentation

Aus Sicht der NKG muss ein Paradigmenwechsel her. Nicht die lückenlose Dokumentation jedes einzelnen Behandlungsschritts sollte im Mittelpunkt stehen. Sondern die Qualität des Behandlungsergebnisses sollte das tun. Nur wenn die Kliniken durch konsequente Entbürokratisierung mehr Handlungsspielraum gewinnen, können sie die Patientenversorgung trotz der beschlossenen Kürzungen auf hohem Niveau aufrechterhalten.

Philippi: Vorschläge liegen längst auf dem Tisch

Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi unterstreicht, dass die Landesregierung das Thema seit Jahren aktiv gegenüber dem Bund adressiert. Er benennt konkrete Handlungsfelder – von der Vereinfachung von Antragsverfahren über die Beseitigung von Parallelstrukturen in der Datenerfassung bis hin zur Vereinheitlichung von Meldewegen. Ausdrücklich schließt er dabei auch den Medizinischen Dienst ein:

Weder Patientinnen und Patienten noch dem Personal in den Krankenhäusern lässt sich in Zeiten des Fachkräftemangels logisch erklären, weshalb ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit aus vermeidbaren Verwaltungsaufgaben besteht. Wir haben uns deshalb als Niedersächsische Landesregierung bereits mehrfach gegenüber dem Bund für einen Bürokratieabbau stark gemacht. Denn eine Menge Bürokratie ließe sich ohne negative Auswirkungen vermeiden. Dazu gehört etwa die Vereinfachung von Antragsverfahren oder die Beseitigung überflüssiger Parallelstrukturen in Datenerfassung, -übermittlung, -aufbereitung sowie bei den Qualitätskontrollen und Strukturprüfungen. Dieses gilt übrigens nicht nur für die Krankenhäuser, sondern auch für den Medizinischen Dienst. Auch die administrativen Prozesse könnten erheblich entschlackt und die Meldewege vereinheitlicht werden.

Dr. Andreas Philippi

Rechnerisch über 5.700 Vollkräfte gebunden

Die Dimension des Problems verdeutlichen die vorliegenden Zahlen: Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte in niedersächsischen Krankenhäusern wenden im Schnitt täglich rund drei Stunden für Dokumentationsaufgaben auf. Würde dieser Aufwand um eine Stunde reduziert, stünden rechnerisch mehr als 1.700 Vollkräfte im ärztlichen Dienst und rund 4.000 Vollkräfte in der Pflege zusätzlich für die unmittelbare Patientenversorgung zur Verfügung.

Der gemeinsame Vorstoß von NKG und Gesundheitsminister Philippi reiht sich in eine seit Jahren anhaltende Debatte über die Bürokratielast im deutschen Krankenhauswesen ein. Mit den Ankündigungen von Bundesgesundheitsminister Linnemann beim Krankenhausgipfel scheint politischer Bewegungsspielraum zu entstehen – ob dieser in konkrete gesetzliche Entlastungen mündet, wird sich an der Geschwindigkeit und Substanz des angekündigten Bürokratierückbaugesetzes messen lassen.

Quelle: Niedersächsische Krankenhausgesellschaft

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