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Doctor’s Docu Day 2026: Wenn Klinikärzte rechnerisch nur noch dokumentieren statt zu behandeln

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Doctor’s Docu Day 2026: Wenn Klinikärzte rechnerisch nur noch dokumentieren statt zu behandeln

Aus der Praxis

3 MIN

Hamburg. Ab dem 24. Juli 2026 wenden deutsche Klinikärztinnen und -ärzte rein rechnerisch ihre gesamte verbleibende Jahresarbeitszeit für Bürokratie und Dokumentation auf – nicht mehr für die Patientenversorgung. Diesen symbolischen Stichtag markiert der sogenannte Doctor’s Docu Day, der auf den seit Jahren bekannten Befund hinweist, dass Klinikärzte im Durchschnitt 44 Prozent ihrer Arbeitszeit für administrative Tätigkeiten aufwenden. Statt einer politisch versprochenen Entlastung droht mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine weitere Verschärfung des Dokumentationsaufwands.

44 Prozent Bürokratie – und der Trend zeigt nach oben

Der Doctor’s Docu Day macht ein strukturelles Problem im deutschen Gesundheitswesen sichtbar: Klinikärztinnen und -ärzte verbringen nahezu die Hälfte ihrer Arbeitszeit nicht am Patientenbett, sondern am Schreibtisch. Für Pflegekräfte verschiebt sich der symbolische Stichtag auf den 22. August – auch sie sind von wachsenden Dokumentationspflichten betroffen, auch wenn ihre Bürokratielast rechnerisch etwas geringer ausfällt.

Dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert, ist nicht zu erwarten. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte den Bürokratieabbau zwar zu einem zentralen Ziel ihrer Amtszeit erklärt. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht jedoch eine „Anpassung“ – und damit faktisch eine Anhebung – der Prüfquoten des Medizinischen Dienstes vor. Der Dokumentationsaufwand dürfte damit weiter steigen.

Asklepios-Studie: Frustration und Misstrauenskultur

Wie tief die Unzufriedenheit im ärztlichen Berufsalltag sitzt, zeigt eine frühere Studie der Asklepios Kliniken, für die 200 Klinikärztinnen und -ärzte über die Plattform DocCheck befragt wurden. Demnach fühlten sich 85 Prozent der Stationsärztinnen und -ärzte sowie rund 68 Prozent der leitenden Ärztinnen und Ärzte durch den Dokumentationsaufwand frustriert. 93 Prozent empfanden die Bürokratie als Ausdruck einer Misstrauenskultur zulasten der Patientinnen und Patienten. 79 Prozent berichteten zudem, dass der Dokumentationsaufwand in den vorangegangenen fünf Jahren deutlich zugenommen habe.

Breites Bündnis fordert politisches Handeln

Der Protest gegen überbordende Bürokratie im Gesundheitswesen hat in den vergangenen Monaten an Breite gewonnen. Im Juni 2026 forderten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gemeinsam, den versprochenen Bürokratieabbau endlich umzusetzen. Das Ausmaß der Bürokratie sprenge „alle Grenzen des Vertretbaren“. Bereits 2025 hatte die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) mit einer symbolischen „Papierwelle“ vor dem Rathaus in Hannover auf die täglich rund drei Stunden hingewiesen, die Beschäftigte im Schnitt für Dokumentationspflichten aufwenden. Auch weitere regionale Krankenhausverbände und Landeskrankenhausgesellschaften haben sich mit konkreten Entbürokratisierungsvorschlägen zu Wort gemeldet.

„Seit Jahren wird Bürokratieabbau versprochen – doch mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz wird erneut das Gegenteil beschlossen: mehr Prüfungen, mehr Nachweise, mehr Dokumentation. Das ist kaum noch vermittelbar“, sagt Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken. „Einerseits wird der Fachkräftemangel zur größten Herausforderung des Gesundheitswesens erklärt, andererseits verbringen Klinikärzt:innen 44 Prozent ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch statt bei ihren Patient:innen. Dieser Widerspruch kommt einem politischen Offenbarungseid gleich. Wer Fachkräfte sucht und sie gleichzeitig mit immer neuen Dokumentationspflichten von der Versorgung abhält, organisiert den Mangel selbst – und gefährdet damit sehenden Auges die Patientenversorgung.“

Der Doctor’s Docu Day 2026 verdeutlicht, dass das Thema Bürokratieabbau im Gesundheitswesen trotz politischer Bekenntnisse bislang keine substanzielle Wende erfahren hat. Solange gesetzliche Reformen den Dokumentationsaufwand faktisch erhöhen statt senken, bleibt der Widerspruch zwischen Fachkräftemangel und wachsender Verwaltungslast ungelöst – mit direkten Folgen für die Patientenversorgung.

Quelle: Asklepios

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