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Mobbing und Diskriminierung im Krankenhaus: Ein strukturelles Problem mit Folgen für Patienten und Personal

KU Lunchtalk Mobbing Diskriminierung im Krankenhaus

Mobbing und Diskriminierung im Krankenhaus: Ein strukturelles Problem mit Folgen für Patienten und Personal

Aus der Praxis

5 MIN

Mobbing im Krankenhaus ist kein Einzelfall, es ist ein strukturelles Problem, das Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte gleichermaßen betrifft und direkt die Patientensicherheit gefährdet. Die #MedToo-Debatte hat das, was viele im Gesundheitswesen längst wissen, nun öffentlich gemacht: Diskriminierung und Machtmissbrauch gehören in vielen Kliniken zum Alltag. Wo Schweigen zur Norm wird, leidet am Ende auch die Patientenversorgung.

Wenn die Kultur des Schweigens zur Gefahr wird

Beim Deutschen Ärztetag 2026 in Hannover sprachen junge Medizinstudentinnen öffentlich aus, was viele Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land kennen: Übergriffigkeit, Mobbing, Diskriminierung. Die Reaktionen reichten von Betroffenheit bis zu Erschütterung – Verwunderung war kaum dabei. Denn wer das Krankenhaus von innen kennt, weiß um die starren Hierarchien und die tief verwurzelten Machtgefälle, die dieses System prägen.

Unter dem Hashtag #MedToo verbreiten sich seitdem gezielt Vorwürfe und Erfahrungsberichte im Netz. Sie treffen Kliniken an einer empfindlichen Stelle: ihrer Glaubwürdigkeit. Denn Krankenhäuser sind Orte des Vertrauens – für Patientinnen und Patienten ebenso wie für die Menschen, die dort arbeiten. Wenn dieses Vertrauen durch interne Missstände erschüttert wird, hat das weitreichende Konsequenzen: für die Mitarbeitenden, für die Unternehmenskultur und letztlich für die Qualität der Patientenversorgung.

Mobbing im Krankenhaus: Warum Betroffene schweigen

Mobbing im Krankenhaus ist kein Randphänomen. Es betrifft Pflegekräfte ebenso wie Ärztinnen und Ärzte, Berufsanfängerinnen ebenso wie erfahrene Fachkräfte. Und doch bleibt es in vielen Fällen unsichtbar, weil Betroffene schweigen. Aus Angst. Aus Erschöpfung. Aus dem Gefühl, allein zu sein.

Marc Rumpenhorst, Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht und langjähriger Anwalt von Klinikmitarbeitenden in Diskriminierungs- und Mobbingverfahren, bringt es auf den Punkt:

„Meine Erfahrung ist, wer Mobbing erleidet, setzt die eigenen Ansprüche oftmals nicht durch. Die Betroffenen halten dem großen Druck durch die Anfeindungen nicht stand und wechseln dann eher die Arbeitsstelle.“

Marc Rumpenhorst

Dieses Muster – Rückzug statt Gegenwehr – ist tragisch und zugleich systemisch bedingt. Die Betroffenen verlieren, die Klinik verliert qualifizierte Fachkräfte, und das zugrundeliegende Problem bleibt ungelöst.

Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, ergänzt mit Blick auf die Ergebnisse einer Befragung unter Mitgliedern:

„Warum Betroffene Machtmissbrauch oder Diskriminierung nicht melden, hat unserer Befragung nach unter anderem damit zu tun, dass die Personen mit beruflichen Nachteilen rechnen und sie nicht erwarten, dass danach etwas in ihrem Sinne passiert.“

Dr. Susanne Johna

Wenn Betroffene keinen Schutz und keine Wirkung erwarten, schweigen sie. Und solange sie schweigen, ändert sich strukturell nichts. Ein Teufelskreis, den nur entschlossenes Handeln der Verantwortlichen durchbrechen kann.

Diskriminierung im Gesundheitswesen: Mehr als ein Einzelfall

Diskriminierung im Gesundheitswesen zeigt viele Gesichter: aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Alter oder anderen persönlichen Merkmalen. Besonders Frauen stoßen in der klinischen Hierarchie auf strukturelle Barrieren: bei der Karriereentwicklung, in der täglichen Zusammenarbeit und in der Wahrnehmung ihrer fachlichen Kompetenz.

Was die aktuelle Debatte klar macht: Diese Missstände sind keine bedauerlichen Ausnahmen, sondern Ausdruck systemischer Strukturen. Und sie gefährden nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeitenden, sondern direkt die Patientensicherheit. Wie Professor Thorsten Schlomm, Klinikdirektor der Charité, und Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, in einem viel beachteten Interview in Die Zeit formulierten: „Diese Kultur des Schweigens gefährdet sogar die Patienten. Wenn Sie einmal erleben, dass Sie rundgemacht werden, sagen Sie in Zukunft eben nichts mehr.“

Was Krankenhäuser jetzt brauchen: Kulturwandel statt Aussitzen

Die Reaktion vieler Krankenhäuser auf Mobbingvorwürfe folgt einem bekannten Muster: man verweist auf laufende Prüfungen, betont die Unschuldsvermutung, wartet ab. Juristisch mag das nachvollziehbar sein. Kommunikativ und kulturell ist es unzureichend.

Was Krankenhäuser stattdessen brauchen, ist ein echter und sichtbarer Kulturwandel – getragen von verbindlichen Leitbildern, klaren Meldewegen, konsequenten Schutzmaßnahmen für Betroffene und einer Führungskultur, die Respekt und Integrität nicht nur deklariert, sondern vorlebt. Ein glaubwürdiges Leitbild schafft einen gemeinsamen Wertekompass. Es macht deutlich, dass Machtmissbrauch, Diskriminierung und Grenzüberschreitungen keinen Platz im Klinikalltag haben.

Klinikmarketing kann dieses Fundament nicht ersetzen, aber eine gelebte, ehrliche Unternehmenskultur kann eine Klinik stärken: nach innen wie nach außen.

KU Lunchtalk-Reihe zu Mobbing und Diskriminierung im Krankenhaus

KU Gesundheitsmanagement widmet dem Thema eine zweiteilige Webinar-Reihe, in der ausgewiesene Expertinnen und Experten praxisnah und fachlich fundiert Antworten geben.

3. KU Lunchtalk – „Mobbing im Krankenhaus“

1. September 2026 | 12.00–13.30 Uhr | Online
Gebühr: 139,00 Euro zzgl. MwSt.

Mobbing im Krankenhaus aus rechtlicher und psychosozialer Perspektive – mit praxisnahem Wissen zu Früherkennung, rechtssicherem Handeln und nachhaltiger Prävention. Referentinnen und Referenten:

  • Prof. Hans-Jürgen Hennes – langjähriger Klinik-Geschäftsführer, u. a. Universitätsklinikum Mannheim
  • Expertin für Prävention und Therapie bei Mobbing (aus Gründen des Therapeutinnenschutzes anonym)
  • Marc Rumpenhorst – Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht, Kanzlei Klostermann Bochum

Moderiert von Sabine Loh, Gründerin von create for care – Agentur für Gesundheitsmanagement & slow.media.solutions.

4. KU Lunchtalk – „Diskriminierungsfreies Arbeiten im Krankenhaus“

8. September 2026 | 12.00–13.30 Uhr | Online
Gebühr: 139,00 Euro zzgl. MwSt.

In diesem Webinar beleuchten hochkarätige Referentinnen und Referenten das Thema aus rechtlicher, struktureller und alltagsnaher Perspektive:

  • Prof. Grietje Beck – Klinikdirektorin am Universitätsklinikum Mannheim, Präsidentin des BDA
  • Dr. Susanne Johna – 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer
  • Marc Rumpenhorst – Fachanwalt für Medizin- und Arbeitsrecht, Kanzlei Klostermann Bochum

Moderiert von Sabine Loh, Gründerin von create for care – Agentur für Gesundheitsmanagement & slow.media.solutions.

Kombiticket für den 3. und 4. KU Lunchtalk: 199,00 Euro zzgl. MwSt.

Die Zielgruppe umfasst Führungskräfte, Personalverantwortliche, Betriebsräte, Gleichstellungsbeauftragte sowie alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen, die sich für eine faire und diskriminierungsfreie Arbeitskultur einsetzen.

Ihre Ansprechpartnerin: Anette Nazarenko | Tel. 09221 949 320 | a.nazarenko@mgo-fachverlage.de

Autorin: Sabine Loh, Gründerin von create for care – Agentur für Gesundheitsmanagement & slow.media.solutions.

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