München. Der Marburger Bund Bayern warnt vor einem weiteren Abbau ärztlicher Stellen am Universitätsklinikum Regensburg (UKR). In einer Befragung unter 317 Ärztinnen und Ärzten gaben 72 Prozent an, dass die Patientensicherheit in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal wegen Zeit- oder Personalmangels gefährdet war. Knapp 83 Prozent berichten von mindestens einem Beinahe-Fehler aufgrund von Zeitdruck oder Personalmangel. Der Verband fordert vom UKR eine veränderte Personalpolitik und sieht auch den Freistaat Bayern in der Verantwortung.
Ergebnisse der Umfrage: Gefährdungen und Beinahe-Fehler
Nach Angaben des Verbands erleben die Befragten die personelle Situation schon heute als Risiko für eine sichere Patientenversorgung. Fast 99 Prozent erwarten, dass ein weiterer Abbau ärztlicher Stellen die Patientensicherheit beeinträchtigen würde. Der Marburger Bund Bayern wertet die hohe Zahl berichteter Gefährdungssituationen als Hinweis darauf, dass es längst nicht mehr nur um die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte geht.
Arbeitsbelastung und Dokumentation
Rund 80 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitsbelastung in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat. Zu den wichtigsten Belastungsfaktoren zählen nach den Ergebnissen zu wenig ärztliches Personal, hohe Dokumentationsanforderungen sowie langsame oder störanfällige IT.
Befristungen erschweren Bindung
Knapp 83 Prozent der Befragten arbeiten aktuell befristet. Rund 44 Prozent hatten bereits drei oder mehr befristete Verträge am UKR, knapp 20 Prozent sogar vier oder mehr. Der Verband sieht darin ein Problem für die langfristige Bindung qualifizierter Ärztinnen und Ärzte, gerade dort, wo sie zentrale Aufgaben in Versorgung, Weiterbildung, Forschung und Lehre übernehmen.
Forderungen an UKR und Freistaat
Der Marburger Bund Bayern fordert, einen weiteren pauschalen Abbau ärztlicher Stellen am UKR auszuschließen. Die Personalplanung solle sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf orientieren, und die Patientensicherheit müsse Vorrang vor Sparvorgaben haben. Zudem verlangt der Verband weniger Kettenbefristungen, mehr dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse, eine Entlastung von Bürokratie und nichtärztlichen Tätigkeiten, funktionierende IT-Strukturen sowie eine langfristige und transparente Personalplanung. Vom Freistaat erwartet er, klar zu benennen, welche personelle Ausstattung er für erforderlich hält.
„Natürlich müssen auch Universitätskliniken wirtschaftlich arbeiten. Aber einfach ärztliche Kapazitäten abzubauen und darauf zu hoffen, dass Versorgung, Forschung und Lehre trotzdem unverändert funktionieren, ist keine verantwortungsvolle Unternehmensführung. Das ist Roulette – und gespielt wird dabei mit der Sicherheit der Patientinnen und Patienten“, warnt Dr. Andreas Botzlar, Landesvorsitzender des Marburger Bundes Bayern.
„Der Freistaat kann sich bei dieser Entwicklung nicht auf die Rolle eines Beobachters zurückziehen. Er muss klar sagen, welche personelle Ausstattung er für erforderlich hält und wie er sicherstellen will, dass wirtschaftlicher Druck nicht zulasten der Patientenversorgung geht“, fordert Botzlar.
„Ärztinnen und Ärzte gehören an das Patientenbett, in den OP, auf die Intensivstation und in die Ambulanz. Ärztliche Tätigkeit ist keine beliebige Kostenstelle, sondern die Kernaufgabe eines Krankenhauses. Wer zuerst dort spart, wo Patientinnen und Patienten behandelt werden, setzt die falschen Prioritäten“, so Botzlar.
Die Befragung am UKR zeigt, wie eng wirtschaftliche Steuerung und Patientensicherheit an einem Universitätsklinikum zusammenhängen. Ob das UKR und der Freistaat auf die Forderungen reagieren, wird sich in der künftigen Personalplanung zeigen.
Quelle: Marburger Bund Bayern





