Revolution für die Gesundheitsbranche?
Wearables haben das Potenzial, die Gesundheitsbranche zu revolutionieren und die Art und Weise zu verändern, wie wir unsere Gesundheit überwachen und pflegen. Durch die kontinuierliche Überprüfung von Vitalfunktionen können Krankheiten frühzeitig erkannt und behandelt werden, bevor sie sich verschlimmern und teure Behandlungen erfordern. Durch die bessere Überwachung und Optimierung der eigenen Gesundheit tragen sie dazu bei, die Anzahl der Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern.
Die Anwendungsbereiche von Wearables sind vielfältig. Sie ermöglichen eine unkomplizierte, konstante Messung von Vitalfunktionen und ein einfaches Reporting an den behandelnden Arzt. Beispielsweise erlauben sie die Überwachung der Herzfunktion mit EKG, Blutdruck- und Blutsauerstoffmessung oder aber auch Herzstrommessungen und Temperaturmessungen mit sogenannten „intelligenten Pflastern“. Im Rahmen von Diabeteserkrankungen können sie die Blutzuckererfassung und -regulation erleichtern und durch Benachrichtigungen über das Mobiltelefon die Einnahme von Medikamenten unterstützen oder sogar Notfallanrufe tätigen.
Datenschutz, Nutzerautonomie und Reliabilität der Daten
Aufgrund der hohen Sensibilität von Gesundheitsdaten ist ein zuverlässiger Datenschutz von höchster Priorität. Es ist wichtig zu wissen, was mit den gesammelten Informationen passiert, wo sie gespeichert werden und wer Zugriff auf sie hat. Diesbezüglich geht es vor allem um die Autonomie der Nutzer, welche schlussendlich immer die Kontrolle über die Informationen ihrer eigenen Gesundheit haben sollten.
Da sich Wearables noch im Anfangsstadium der Entwicklung befinden, muss eine stetige Kontrolle und Weiterentwicklung der Technologien durchgeführt werden, um die Zuverlässigkeit der gesammelten Daten zu optimieren. Da ungenaue oder fehlerhafte Werte zu falschen Diagnosen und Behandlungen führen können, ist es essenziell, neben den Potenzialen und Möglichkeiten von Wearables, auch die Einschränkungen und Risiken zu berücksichtigen. Der Nutzer wie auch der Arzt sollten ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Werte von Smartwatches und Fitnessarmbändern eventuell ungenau oder teils sogar falsch sein könnten.
Möglichkeiten und Entwicklungen in der Gesundheitsbranche
Insbesondere im Bereich der Entwicklung von Sensoren, beispielsweise zur Blutzuckermessung bei Diabetespatienten, zur Messung des Blutdrucks in Fällen von Hypertension oder aber auch zur Analyse der Blutsauerstoffsättigung bietet die aktuelle Forschung große Potenziale für die Gesundheitsbranche. Mit Blick in die Zukunft könnte auch sogenanntes „Smart Clothing“, also beispielsweise Ringe, die Aktivität und Herzfrequenz messen, oder Augmented Reality-Brillen, welche für das Training in der Chirurgie und Schmerzbehandlung benutzt werden, weiterentwickelt und vermehrt von Patienten wie auch Ärzten verwendet werden. Mit der Verbreitung von Sensoren und der Messung von Gesundheitsdaten geht das Potenzial einher, große Datenmengen zu sammeln und diese anonymisiert auszuwerten, um damit bessere Diagnosen zu ermöglichen und genauere Einblicke in medizinische Zusammenhänge zu bieten. Im Bereich der mentalen Gesundheit des individuellen Nutzers können Wearables, auch in Kombination mit Smartphones, gewisse Coachings und personalisierte Beratung anbieten, um den Nutzer dazu zu befähigen, sich proaktiv um sein psychisches Wohlergehen und seine emotionale Stabilität zu kümmern.
Die steigende Nachfrage und Umsatzentwicklung von Wearables weltweit zeigen, dass sie eine wichtige Rolle in der Gesundheitsbranche spielen werden und dabei zu deutlichen Effizienzgewinnen wie auch starken Kosteneinsparungen in Prävention, Diagnostik und Behandlung führen werden.
Autor: Natascha Andres, Senior Managerin, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Erscheinungstermin: KU Gesundheitsmanagement 05/2024
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