Mit der Ausbildungsplattform OpTA-VR möchte die Hochschule Furtwangen (HFU) zusammen mit einem Industriepartner die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz (OTA) durch Virtual Reality (VR)-basierte Trainings erleichtern. Die zeit-, orts- und teils personalunabhängige Trainings können kostengünstig durchgeführt werden, reduzieren Vorbereitungsaufwand und fördern die Patientensicherheit, während sie frühzeitiges Erkennen und Reflektieren von Fehlern ermöglichen. Ein erster Prototyp wurde mit dem Universitätsklinikum Freiburg (UKF) getestet und wird nun kontinuierlich weiterentwickelt, um den Herausforderungen der angespannten Personalsituation und OP-Auslastung zu begegnen.
Trotz Engpässen Ausbildungsziele sicher erreichen
Die Ausbildung zur Operationstechnischen Assistenz (OTA) erfordert ein hohes Maß an Praxisnähe und Präzision. Personelle Engpässe sowie zeitliche und räumliche Einschränkungen erschweren jedoch das Training. Oft fehlt die Zeit, um Handgriffe ausreichend zu üben, Fehler zu reflektieren und aus diesen zu lernen.
Hier setzt das Team mit der Virtual-Reality-Technologie (VR) an. Sie ermöglicht es durch den Einsatz einer VR-Brille, auch komplexe Arbeitsabläufe in einer sicheren, virtuellen Umgebung zu üben.
OpTA-VR: Ein Projekt für die Zukunft der OTA-Ausbildung
Das Vorhaben OpTA-VR basiert auf einem Prototyp, der in Zusammenarbeit von HFU und dem UKF entstand. Im Rahmen des Clusters Zukunft der Pflege – vom BMBF gefördertes Pflegepraxiszentrum Freiburg – wurde eine prototypische VR-Simulation für die OTA-Ausbildung entwickelt und auf ihre Gebrauchstauglichkeit untersucht. Auszubildende befinden sich nach Aufsetzen der VR-Brille in einem virtuellen Operationsraum und haben zwei Lernoptionen:
- das Kennenlernen ausgewählter Instrumente
- das Eindecken eines (abteilungsspezifischen) Instrumententischs
Die Vielzahl an chirurgischen Instrumenten macht es erforderlich, diese – mit technischem und ggf. hausinternem Namen, ihrem Aufbau, ihrer Form und ihrer Funktion – kennenzulernen. Der Prototyp ermöglicht es, eine Auswahl von Instrumenten anzusehen, diese (virtuell) in die Hand zu nehmen und unter Einsatz einer Lupe bis ins Detail zu untersuchen. In der Simulation können Instrumente platziert, Einwegmaterial (z. B. Kompressen) hinzugefügt und teils in die dafür vorgesehenen Instrumente eingespannt werden. Der Ablauf kann je nach Präferenz durch eine Kombination aus visuellen Hervorhebungen, Audiohinweisen und Texteinblendungen unterstützt werden. Die Anwendung erfasst zudem falsch platzierte oder fallengelassene Utensilien und prüft, ob die Hände der Nutzenden während der Durchführung im definierten sterilen Bereich bleiben. Eine Auswertung zeigt am Ende anhand von Momentaufnahmen Fehlerquellen an.
Positive Rückmeldungen: Stressfreies Lernen und motivierte Auszubildende
Die Testphase am UKF bestätigte die Wirksamkeit des Projekts. Die Auszubildenden schätzten insbesondere die stressfreie Lernumgebung, die es ermöglicht, ohne Angst vor Konsequenzen zu üben und aus Fehlern zu lernen. Auch die Möglichkeit, Lerninhalte beliebig oft zu wiederholen, wurde als großer Vorteil hervorgehoben.
Ein positiver Nebeneffekt: Der spielerische Wettbewerbscharakter der Anwendung förderte die Motivation der Teilnehmenden. Gleichzeitig sammelten Praxisanleiter wertvolle Erkenntnisse, wie VR-Technologie in der Lehre effektiv eingesetzt werden kann.
Vom Verbesserungspotenzial zu konkreten Zukunftsplänen
Während der ersten Entwicklungsphase bezogen sich die Inhalte auf eine der unterschiedlichen Standardprozeduren im Bereich der Chirurgie am UKF. Für andere Einrichtungen oder Eingriffe sind jedoch ggf. Anpassungen notwendig. Unter anderem soll eine größere Auswahl an Szenarien, konfigurierbare Trainings sowie eine flexiblere Anpassbarkeit an hausinterne Bezeichnungen ermöglicht werden. Technisch anspruchsvolle und schwer immersiv in VR umsetzbare Schritte wie das sterile Anlegen von Handschuhen und anderer Bekleidung oder die Montage spezieller Instrumente fehlen derzeit noch.
Ein weiteres Ziel ist die Integration einer virtuellen Praxisanleitung, welche die Rolle der anderen Beteiligten übernehmen könnte und die Interaktionen im Team simuliert. Ziel ist es, im Jahr 2026 eine erste Version der Plattform an ausgewählten Universitätskliniken einzusetzen und deren Akzeptanz und Wirkung im realen Einsatz zu testen. Langfristig soll OpTA-VR an Krankenhäusern und Bildungsstätten flächendeckend eingesetzt werden können – nicht nur für die Ausbildung, sondern auch für Fort- und Weiterbildungen im Gesundheitssektor.
Angepasster Artikel aus KU Gesundheitsmanagement 11-2024
Autor: Prof. Dr.-Ing. Hans-Georg Enkler
Weitere aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt anmelden!