Berlin. Der Jahresbericht des Medizinischen Dienstes (MD) für das Jahr 2025 weist erneut rückläufige Behandlungsfehlerzahlen aus: Mit 11.735 gemeldeten Verdachtsfällen im gesamten Gesundheitswesen sank die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 569 Fälle. Nur jeder vierte Verdachtsfall bestätigte sich bei näherer Prüfung als tatsächlicher Fehler – auch dieser Anteil ist gesunken. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wertet die Zahlen als Beleg für eine weiter gestiegene Patientensicherheit, kritisiert jedoch die vom MD gezogenen Schlussfolgerungen zu angeblichen wirtschaftlichen Schäden in Höhe von 16 Milliarden Euro als unseriös.
Rückläufige Fehlerzahlen im stationären und ambulanten Bereich
Im Jahr 2025 wurden im gesamten Gesundheitswesen 11.735 Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler gemeldet – 569 weniger als im Vorjahr. Von diesen Fällen bestätigte sich bei näherer Betrachtung nur jeder vierte als tatsächlicher Fehler. Im stationären Sektor liegt die Zahl bestätigter Behandlungsfehler bei rund 1.900 – ebenfalls niedriger als im Vorjahr. Gemessen an schätzungsweise 18 Millionen stationären Behandlungsfällen insgesamt verbleibt die bestätigte Fehlerquote damit im geringen Promille-Bereich.
DKG: Transparente Fehlerkultur bleibt unverzichtbar
Trotz der positiven Entwicklung betont die DKG, dass jeder Behandlungsfehler einer zu viel sei. Transparente Fehlermeldesysteme seien das zentrale Instrument, um die Fehlerquote weiter zu senken – auch wenn eine Quote von null in der Medizin nicht erreichbar sei. Die Krankenhäuser würden dieses Ziel konsequent weiterverfolgen.
Kritik an MD-Schadensrechnung: OECD-Studie nicht auf Deutschland anwendbar
Scharf zurückgewiesen wird vom DKG-Vorstandsvorsitzenden Dr. Gerald Gaß die Schlussfolgerung des MD, wonach Behandlungsfehler in Deutschland wirtschaftliche Schäden von 16 Milliarden Euro verursachten. Der MD stütze sich dabei auf eine OECD-Studie aus dem Jahr 2017, die Deutschland nicht untersucht habe und auf nationalen Einzelstudien mit sehr unterschiedlichen strukturellen, demografischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen beruhe. Zudem beziehe die zitierte 15-Prozent-Kostenangabe auch unvermeidbare Fälle ein; für vermeidbare Fälle nenne dieselbe Studie ein deutlich niedrigeres Spektrum von zwei bis zehn Prozent der öffentlichen Krankenhausausgaben.
„Dass nicht nur die absolute Zahl der Verdachts- und bestätigten Fälle gesunken ist, sondern auch der Anteil der bestätigten Behandlungsfehler an den untersuchten Fällen, zeigt, dass die Krankenhäuser wie die ambulanten Leistungserbringer ihre Behandlungsqualität weiter ausgebaut haben und die Sicherheit für die Patientinnen und Patienten von einem ohnehin hohen Niveau weiter gestiegen ist. Trotzdem bleibt für uns das Bekenntnis, dass jeder Behandlungsfehler einer zu viel ist. Wir müssen weiterhin alles tun, um Fehler zu reduzieren, denn hinter jedem dieser Fälle steht ein Mensch. Trotzdem stehen den rund 1900 bestätigten Behandlungsfehlern im Krankenhaus schätzungsweise 18 Millionen Behandlungsfälle insgesamt gegenüber. Die bestätigte Fehlerquote bleibt damit im geringen Promille-Bereich. Für die Krankenhäuser und die Sicherheit bleibt eine transparente Fehlerkultur von Bedeutung. Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler. Die Fehler-Quote auf null zu drücken, wird in der Medizin nicht möglich sein. Mit transparenten Fehlermeldesystemen unternehmen wir aber alles, um uns dieser Marke so gut wie möglich zu nähern. Unseriös bleiben leider die Schlussfolgerungen des MD zu vermeintlichen ökonomischen Schäden in Höhe von 16 Milliarden Euro durch Behandlungsfehler. Hier zieht der MD eine länderübergreifende OECD-Studie aus dem Jahr 2017 heran. Diese Studie beruht auf nationalen Einzelstudien mit ganz verschiedenen Voraussetzungen in der Struktur der Gesundheitsversorgung, Demografie, Lebensweise und vielem mehr. Vor allem: Die Studie hat Deutschland überhaupt nicht untersucht. Wenn die Studie von 15 Prozent Kosten für Schäden spricht, bezieht sie auch unvermeidbare Fälle mit ein. Dieselbe Studie nennt hingegen für vermeidbare Fälle ein deutlich niedrigeres Spektrum von 2 bis 10 Prozent der öffentlichen Ausgaben für Krankenhäuser. Behandlungsfehler eignen sich nicht dafür, Angstrechnungen aufzumachen und Alarmismus zu betreiben. Die Krankenhäuser werden weiter das Ziel verfolgen, die Fehlerquote so gut es geht zu senken“.
Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.
Der MD-Jahresbericht 2025 dokumentiert eine erfreuliche Entwicklung bei der Behandlungssicherheit in deutschen Krankenhäusern. Die Kontroverse um die Schadensrechnung des MD zeigt jedoch, dass die Interpretation von Fehlerstatistiken im Gesundheitswesen methodisch sorgfältig erfolgen muss. Die DKG kündigt an, den eingeschlagenen Weg einer transparenten Fehlerkultur konsequent fortzusetzen.
Quelle: DKG





