Gesellschafterversammlung des GK-Mittelrhein beschließt weitreichende Änderungen
Koblenz. Die Veränderungen sind zwar schmerzhaft, aber das Ergebnis sichert die Versorgung der Patienten und die Arbeitsplätze von mehr als 4.000 Menschen in der Region. Die Gesellschafterversammlung des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein hat gestern einem Sanierungsgutachten zugestimmt. Finanziell gestemmt wird es vor allen Dingen durch die beiden kommunalen Gesellschafter – das sind der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Koblenz. Beide Kommunen werden das Unternehmen trotz der knappen Haushaltslage mit weiteren 10 Millionen Euro direktem Kapital in 2024 sowie 50 Millionen Euro in Form von Bürgschaften unterstützen. „Dies war ein absolut notwendiger Schritt und die wichtigste Voraussetzung, um die angedachten Sanierungs- und Baumaßnahmen anzugehen“, berichtet der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Oberbürgermeister David Langner.
Ein Teil des Geldes fließt in die dringend benötigte Ein-Standort-Lösung in Koblenz. „Ein beschleunigter Neubau in zwei Bauabschnitten soll erste positive Synergieeffekte mit sich bringen. Angedacht ist ein Gebäude für die Aufnahme der Fachabteilungen aus dem Ev. Stift St. Martin, eine erweiterte Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte, eine Funktionsdiagnostik und OP-Säle“, berichtet Geschäftsführer Christian Straub und verweist auch auf die Gespräche zur finanziellen Förderung durch das Land, die bereits in vollem Gange sind.
Auch in Mayen muss dringend gebaut werden. „Hier geht es in erster Linie darum, eine neue, bedarfsgerechte und wirtschaftlich sinnvolle Zielplanung aufzulegen. Das heißt konkret, dass nicht alle Fachabteilungen in gleicher Art und Weise bestehen bleiben können. Sicher sind die Geburtshilfe und die Kinder- und Jugendmedizin. Die Orthopädie soll sogar erweitert werden“, berichtet der neue, zweite Geschäftsführer Florian Distler.
Bislang noch ungewiss ist der Verbleib des Paulinenstifts in Nastätten und des Heilig Geist in Boppard im Unternehmen GK-Mittelrhein. Der Rhein-Lahn-Kreis hat seine Bereitschaft signalisiert, einen Verlustausgleich für das 2. Halbjahr 2024 sowie das Jahr 2025 zu übernehmen. Die vertraglichen Verhandlungen dazu sind noch nicht abgeschlossen, dies muss jedoch bis Mitte August erfolgt sein.
Dem Rhein-Hunsrück-Kreis ist es bis heute leider nicht gelungen, eine ausreichende Verlustübernahme für die Jahre 2024 und 2025 für das Krankenhaus in Boppard zu beschließen, obwohl dies eine zwingende Voraussetzung für den Fortbestand des Krankenhausstandortes ist. Auch hier muss bis Mitte August die verbindliche Erklärung vorliegen. „Bis dahin sind wir gesprächsbereit. Sollte es zur Schließung kommen
müssen, ist es erklärtes Ziel, den überwiegenden Anteil des Leistungsspektrums in eines der anderen Krankenhäuser zu integrieren. Und damit dem Großteil der Mitarbeitenden eine neue Perspektive im GK-Mittelrhein zu ermöglichen“, betont David Langner.
Dies gilt im Übrigen auch für andere Arbeitsbereiche, die von den weitreichenden Veränderungen betroffen sind. Hierzu zählen die stationäre Nuklearmedizin und die Schmerztagesklinik im Kemperhof.
Konkrete Zukunftsperspektiven werden in den kommenden Monaten noch für die stationären und ambulanten Angebote der Seniocura und die Praxen des MVZ Mittelrhein erarbeitet. Bei den drei Senioreneinrichtungen und dem ambulanten Pflegedienst gibt es noch keine Entscheidung, ob die Leistung weiterhin unter dem Dach der Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gGmbH erfolgen soll oder sie in ein anderes erfolgreich etabliertes Unternehmen integriert wird. Das Angebot in den Praxen des MVZ Mittelrhein muss – auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten – angepasst werden. Bis Ende 2024 wird hierzu ein Konzept von der Geschäftsführung entwickelt.
Neben den großen strukturellen Maßnahmen sollen bis Ende 2028 auch rund 8,8 Millionen Euro im Tagesgeschäft eingespart werden. Hierzu zählen beispielsweise die Reduzierung von Personalkosten im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung, Einsparungen bei den Sachkosten, die Vermeidung von Doppelstrukturen und die Optimierung von Wahlleistungsangeboten.
Notwendig wird diese Sanierung, da das GK-Mittelrhein, wie eine Vielzahl der deutschen Krankenhäuser, seit Jahren defizitär ist und kein Geld für dringend notwendige Investitionen erwirtschaftet werden kann. „Wenn wir nicht ein so starkes und tatkräftiges, erfahrenes Team hätten, wären wir nie so weit gekommen“, betonen die beiden Geschäftsführer Christian Straub und Florian Distler.
Für sie gilt es nun, das Sanierungsgutachten im besten Sinne umzusetzen und das Unternehmen zukunftsfähig zu gestalten, sodass die jährlich rund 140.000 Patienten, Bewohner und Klienten bestmöglich versorgt werden und die Mitarbeitenden einen attraktiven Arbeitgeber behalten. „Die Weichen hierfür wurden nun gestellt, wir sind zuversichtlich, dass es mit den engagierten Mitarbeitenden vor Ort gelingt“, so Landrat Dr. Alexander Saftig.
Quelle: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein
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