Hannover. Die Krankenhäuser in Niedersachsen müssen seit dem 1. November 2026 ohne den sogenannten Rechnungszuschlag auskommen, der zum Ende des Monats Oktober ausgelaufen ist. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) sieht darin eine zusätzliche Belastung für Kliniken, die gleichzeitig die Krankenhausreform umsetzen müssen. Der Verband beklagt ein wachsendes Missverhältnis zwischen steigendem Reformdruck und fehlender politischer Unterstützung.
Wegfall des Rechnungszuschlags verschärft die Finanzlage
Der Rechnungszuschlag lag bis Oktober bei 3,25 Prozent. Er sollte einen Teil der inflationsbedingten Finanzierungslücke ausgleichen, die in den Jahren 2022 und 2023 entstanden ist. Mit seinem Wegfall fehlen den niedersächsischen Krankenhäusern nach Angaben der NKG rund 400 Millionen Euro jährlich bei ihren künftigen Erlösen.
Kürzungen ab 2027 kommen hinzu
Für 2027 sind massive Kürzungen vorgesehen, die auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zurückgehen. Ein neuer Rechnungszuschlag soll ab 2027 die Einschnitte um rund 55 Millionen Euro abmildern. Nach Einschätzung der NKG reicht dies bei Weitem nicht aus, um die Erlösverluste der Krankenhäuser im Land auch nur ansatzweise auszugleichen.
NKG fordert verlässliche Finanzierung für die Reform
NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke macht die Position des Verbands deutlich:
Wer die Krankenhausstrukturen neu ordnen und die Patientenversorgung sichern will, muss auch die notwendige Finanzierung gewährleisten. Andernfalls steigt das Risiko für Leistungseinschränkungen, Personalabbau und weitere Insolvenzen massiv. Die aktuelle Kürzungspolitik steht der eingeleiteten Krankenhausreform diametral entgegen und gefährdet deren kontrollierte Umsetzung. Reformen brauchen Anschubinvestitionen und Zeit, um Wirkung zu entfalten.
Helge Engelke
Reform trifft auf eine kritische Übergangsphase
Die Finanzierungslücke fällt in eine Phase, in der die Kliniken ihre Strukturen umbauen und zusätzliche Anforderungen erfüllen müssen. Dazu zählen insbesondere Maßnahmen zum Hitzeschutz und zur Krisenresilienz. Ziel ist, den Krankenhausbetrieb auch angesichts zunehmender sicherheitspolitischer Herausforderungen und möglicher Katastrophen aufrechtzuerhalten.
Die Lage in Niedersachsen zeigt, wie eng wirtschaftliche Stabilität und die Umsetzung der Krankenhausreform miteinander verknüpft sind. Ob die Finanzierung rechtzeitig nachgebessert wird, bleibt nach den aktuellen Angaben offen.
Quelle: Niedersächsische Krankenhausgesellschaft





