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„Verhandlungssituation ist weiterhin sehr fragil“

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„Verhandlungssituation ist weiterhin sehr fragil“

Gesundheitspolitik

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Tarifverhandlungen zwischen Marburger Bund und kommunalen Arbeitgebern bleiben ergebnislos

Berlin. Auch die dritte Runde der Tarifverhandlungen zwischen dem Marburger Bund und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) ist ergebnislos verlaufen. Anders als in den zurückliegenden beiden Verhandlungsrunden hat die Arbeitgeberseite allerdings ihre selbstgewählte Sprachlosigkeit überwunden und wenigstens in einem Teilbereich Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen. Von einem Durchbruch sind die Verhandlungen aber noch weit entfernt, eine Zuspitzung ist weiterhin nicht ausgeschlossen. Erst am vergangenen Montag, 16. September, hatten mehrere Tausend Ärztinnen und Ärzte aus kommunalen Krankenhäusern an einem ganztägigen Warnstreik teilgenommen und den Druck auf die Arbeitgeber erhöht.

Im Mittelpunkt der zweitägigen Gespräche in Berlin standen die Forderungen des Marburger Bundes nach einer Reform der etwa 70 Jahre alten Regelungen zur Schichtarbeit im Tarifvertrag. Sie stammen noch aus einer Zeit, als auf die Arbeitsverhältnisse der Ärztinnen und Ärzte der Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) erstmals zur Anwendung kam. Der Marburger Bund fordert, die schwer zu kontrollierenden und teilweise manipulationsanfälligen Tarifregelungen durch ein deutlich vereinfachtes System zu ersetzen. Die Gewerkschaft will damit auch Tendenzen an den kommunalen Kliniken begegnen, bestehende Bereitschaftsdienstmodelle durch günstigere Schichtdienstmodelle zu ersetzen. Die damit verbundene Ausweitung von Vollarbeit in der Nacht ist nachweislich mit erheblichen gesundheitlichen Belastungen für die Ärztinnen und Ärzte verbunden, die ohnehin schon mit hoher Arbeitsverdichtung und dünner Personaldecke konfrontiert sind.

„Wir haben viel Zeit darauf verwenden müssen, die Dringlichkeit einer Reform der Tarifregelungen zum Schichtdienst zu erklären. Die Arbeitgeber scheinen das Vorhandensein eines Änderungsbedarfs nun nicht mehr pauschal zu bestreiten“, sagte Christian Twardy, Verhandlungsführer des Marburger Bundes. Gleichzeitig dämpfte er mögliche Erwartungen an eine schnelle Einigung: „Vor uns liegt noch ein langer, steiniger Weg. Die Verhandlungssituation ist weiterhin sehr fragil, grundlegende Fragen sind noch unbeantwortet“, so Twardy.

Der 2. Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Andreas Botzlar, widersprach Vorhaltungen der Arbeitgeber, die Forderungen des Marburger Bundes brächten die Krankenhäuser in zusätzliche wirtschaftliche Nöte. „Unsere Mitglieder wollen bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Das ist nicht ehrenrührig und in keiner Weise überzogen. Andersherum wird ein Schuh draus: Wenn sich die Verhältnisse weiter verschlechtern, ist für die Krankenhäuser nichts gewonnen, weil sie dann ärztliches Personal verlieren, weiter an Attraktivität einbüßen und so erst recht in wirtschaftliche Nöte geraten“, sagte Botzlar.

In den Tarifverhandlungen für die rund 60.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern fordert der Marburger Bund neben einer grundlegenden Reform der Schichtdienst- und Wechselschichtdienstregelungen eine lineare Erhöhung der Gehälter um 8,5 Prozent und zusätzlich finanzielle Verbesserungen bei Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft.

Der mit der VKA verhandelte Tarifvertrag findet bundesweit Anwendung auf Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern mit Ausnahme der Vivantes-Kliniken in Berlin und solchen, für die Haustarifverträge gelten.

Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Marburger Bund und VKA wird am 14. und 15. Oktober erneut in Berlin stattfinden.

Weitere Informationen zur aktuellen Tarifrunde unter www.vka-tarifrunde.de.

Quelle: Marbuger Bund

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