»

„Wir müssen aufpassen, dass Kliniken nicht schon vor der Reform tot sind“

leerer Krankenhaus Flur

„Wir müssen aufpassen, dass Kliniken nicht schon vor der Reform tot sind“

Gesundheitspolitik

3 MIN

Krankenhausreform: ÄKWL fordert verlässliche Finanzierung – Kritik an unzureichenden Transformationsfonds

Münster. Im Hinblick auf die geplanten Krankenhausreformen auf NRW- und Bundesebene fordert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Hans-Albert Gehle, eine „stabile, verlässliche und vor allem ausreichende Finanzierung für die Krankenhäuser in der Übergangsphase“ und beklagt: „Die Betriebsmittelfinanzierung der Kliniken durch den Bund ist absolut nicht ausreichend und gefährdet so die Existenz der Krankenhäuser, denn sie deckt die tatsächlichen Kosten in keiner Weise ab.“

Der auf zehn Jahre angelegte Transformationsfonds des Bundes, der die Kliniken bei den Umstrukturierungen im Zuge der Krankenhausreform unterstützen soll, „ist unzureichend und greift viel zu spät“, kritisiert Gehle. „Wir müssen die Sorgen der Krankenhäuser jetzt ernst nehmen und ihnen den ökonomischen Druck nehmen. Und wir müssen vor allem aufpassen, dass Kliniken nicht schon vor der Reform tot sind. Nur eine direkte Erhöhung der Betriebsmittel wirkt sofort.“

Die Krankenhäuser müssten wissen, was die Reformen für sie finanziell bedeuten. Gegebenenfalls müsse die Betriebsmittel-Ausstattung durch Steuergelder ergänzt werden, sagt der Kammerpräsident. Zudem sei es auch wichtig, dass die Länder ihrer Aufgabe der Investitionskostenfinanzierung in ausreichendem Maße nachkämen. Der Transformationsfonds des Landes in Höhe von 2,5 Milliarden Euro alleine werde nicht ausreichen. Derzeit herrsche in den Kliniken sowohl in der Ärzteschaft als auch in den Leitungen der Häuser eine „große Unsicherheit, wie es weitergehen soll und kann“.

„Die Ärztekammer hat das Thema der sicheren Finanzierung in der laufenden Anhörungsphase auf jeden Fall im Blick“, so ihr Präsident. „Was wir zukünftig brauchen, sind zum Beispiel vernünftige Vorhaltepauschalen, die eine verlässliche Finanzbasis gewährleisten. Pseudo-DRGs, die nur scheinbar die alten Fallpauschalen ablösen, helfen keinesfalls weiter.“ Das bisherige DRG-System etwa berücksichtige weder steigende Personalkosten oder einen Inflationsausgleich und genüge deshalb nicht den Ansprüchen an eine adäquate und leistungsgerechte Vergütung von Krankenhausleistungen.

Ein besonderes Augenmerk lege die Kammer bei der Begleitung der NRW-Krankenhausreform auf das Thema der ärztlichen Weiterbildung. „Auch die Kolleginnen und Kollegen in ihrer Weiterbildung brauchen schnell Sicherheit auf ihren zukünftigen Weiterbildungswegen.“

Die ÄKWL wird über ihre Repräsentanten in den Verwaltungsbezirken der Kammer Kontakt mit den Klinikvertretern aufnehmen und deren Einschätzungen zur geplanten Krankenhausreform sammeln. „So gewinnen wir einen Überblick über die derzeitige Stimmungslage in den Häusern, werden uns daraus ein Meinungsbild machen und dann gegenüber dem Gesundheitsministerium eine Stellungnahme abgeben.“

Quelle: ÄKWL

Weitere aktuelle Meldungen erhalten Sie über unseren KU Newsletter: Jetzt anmelden!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Notfallreform Geriatrie

Notfallreform: Geriatrie fordert Einbindung in INZ

Berlin. Die geriatrische Versorgung wird im Gesetz zur Reform der Notfallversorgung nach Einschätzung des Bundesverbandes Geriatrie nicht ausreichend berücksichtigt. Nach der Verabschiedung durch den Deutschen Bundestag fordert der Verband erneut, geriatrische Kompetenz regelhaft in die notfallmedizinische Versorgung der Krankenhäuser einzubinden.

Gesundheitspolitik

Beitrag lesen
NKG Meldepflichten Krankenhaus Bürokratieabbau

NKG fordert Abbau von Meldepflichten: 130 Melde- und Nachweispflichten jährlich belasten Niedersachsens Krankenhäuser

Die NKG kritisiert rund 130 Melde- und Nachweispflichten pro Jahr für Krankenhäuser. Sie fordert die mehrfache Nutzung vorhandener Daten und ein zügiges Bürokratierückbaugesetz des Bundes.

Gesundheitspolitik

Beitrag lesen
Gesundheitssicherstellungsgesetz Krisenvorsorge Krankenhaus

Universitätskliniken und BG Kliniken fordern Gesundheitssicherstellungsgesetz: Krisenvorsorge für die Versorgung im Bündnis- und Verteidigungsfall

Berlin. Der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) und der Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung, die BG Kliniken, fordern gesetzliche Grundlagen für die medizinische Krisenvorsorge.

Gesundheitspolitik

Beitrag lesen