Patientenversorgung muss gesichert werden
Dierdorf. Mit der im Bundestag beschlossenen Krankenhausreform steht die Gesundheitsversorgung in Deutschland vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Ziel der Reform ist die stärkere Bündelung medizinischer Leistungen, die Erhöhung von Qualitätsvorgaben und die Neuordnung der Krankenhausfinanzierung. Gleichzeitig gehen viele Fachleute in den kommenden Jahren von einer Reduzierung der Krankenhausstandorte in Deutschland aus. Was in der politischen Debatte jedoch bislang zu wenig berücksichtigt wird: Krankenhäuser sind längst nicht mehr nur Orte stationärer Versorgung. Sie tragen mit ihren MVZ in vielen Regionen auch einen erheblichen Teil der ambulanten medizinischen Infrastruktur. In Deutschland bestanden im Jahr 2025 rd. 5.300 Medizinische Versorgungszentren. Dabei befanden sich rd. 2.600 in der Trägerschaft eines Krankenhauses. MVZ beherbergen im Schnitt sechs Sprechstunden, was allein bei den krankenhaus-getragenen MVZ 15.600 Sprechstunden ergibt. Insbesondere in ländlich geprägten Regionen kann eine Reduzierung von Klinikstandorten deshalb weitreichendere Folgen haben als häufig angenommen. Denn fallen Krankenhäuser weg, trifft dies automatisch auch zahlreiche Praxis-Sprechstunden.
Stationäre und ambulante Versorgung im Westerwald
Wie eng stationäre und ambulante Versorgung miteinander verbunden sind, zeigt das Evang. Klinikum Westerwald (EKW). An den Klinikstandorten Dierdorf, Selters und Hachenburg versorgen rund 1.000 Mitarbeitende jedes Jahr mehr als 18.000 stationäre und um 68.000 ambulante Patienten. Außerdem verfügt die Klinik über sechs MVZ-Praxiszentren mit 19 fachärztlichen Sprechstunden.
Damit steht das EKW beispielhaft für eine Entwicklung, die in der aktuellen gesundheitspolitischen Debatte häufig unterschätzt wird: Krankenhäuser sichern längst nicht nur stationäre Betten, sondern tragen vielerorts auch einen großen Teil der ambulanten fachärztlichen Versorgung. Werden Krankenhausstandorte reduziert, geraten damit gleichzeitig zahlreiche Sprechstundenangebote und medizinische Strukturen im ländlichen Raum unter Druck. „Die Diskussion über Krankenhausstandorte greift zu kurz, wenn man die ambulanten Strukturen nicht mitdenkt“, sagt Guido Wernert, Sprecher der EKW-Geschäftsführung und Geschäftsführer der MVZ-Gesellschaft. „Wenn ein Krankenhaus verschwindet, verschwinden häufig auch mehrere Praxissprechstunden, die nachvollziehbar organisatorisch und wirtschaftlich daran angebunden sind.“
Facharztversorgung in erreichbarer Nähe
Für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte liegt der Mehrwert der MVZ-Struktur vor allem in der engen Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus. Den Vorteil für die Patienten erklärt Dr. Daniel Benner. Der Chefarzt der EKW-Wirbelsäulenchirurgie ist ebenfalls in den MVZ-Standorten in Dierdorf und Ransbach-Baumbach ambulant tätig: „Durch die Anbindung an das Krankenhaus können wir Diagnostik und Behandlung sehr gut verzahnen. Wenn ein Patient weitergehende Untersuchungen oder eine stationäre Behandlung benötigt, sind die Wege kurz und die Abstimmung funktioniert direkt.“ Diese enge Zusammenarbeit sorgt nicht nur für medizinische Qualität, sondern spart oft auch Zeit für die Patientinnen und Patienten.
Ambulante Medizin braucht stabile Strukturen
Ein Beispiel dafür, dass ambulante Medizin stabile Strukturen braucht, liefert die Integration des Krankenhaus-Standortes Hachenburg in das damalige Evang. Krankenhaus Dierdorf/Selters – das heutige Evang. Klinikum Westerwald. Durch diesen Schritt konnten nicht nur die stationären Betten gesichert werden, sondern gleichzeitig auch die ambulanten Angebote mit fünf Facharzt-Sprechstunden in dem angeschlossenen MVZ-Standort „Krankenhaus“ dauerhaft stabilisiert werden. Angebote, die eine Vielzahl von Krankenhaus-Fachärzt:innen an einer Adresse flexibel auf kurzem Wege gerne mit unterstützen.
Quelle: Evangelisches Klinikum Westerwald gGmbH
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