HDZ plant offenbar einen Neubau ohne Geburtshilfe
Bad Oeynhausen/Kreis Minden-Lübbecke. Die Mühlenkreiskliniken und der Kreis Minden-Lübbecke passen die Planungen für den Neubau des Krankenhauses Bad Oeynhausen an. Hintergrund ist, dass nach aktuellen Informationen keine Geburtshilfe auf dem Gelände des Herz- und Diabeteszentrums NRW (HDZ) geplant wird. Ursprünglich war vorgesehen, den Kreißsaal des Krankenhauses Bad Oeynhausen nicht mit an den neuen Standort an der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) zu verlegen, sondern ihn auf dem Gelände des benachbarten HDZ in einem dort zu errichtenden Neubau unterzubringen.
„Wir nehmen die Entscheidung des HDZ zur Kenntnis. Und natürlich hat sich dadurch die Ausgangslage deutlich verändert“, sagt Landrat Ali Doğan, zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrates der Mühlenkreiskliniken. „Wir müssen nun kurzfristig reagieren und verantwortungsvoll prüfen, wie eine medizinisch sinnvolle und wirtschaftlich tragfähige Lösung für die Region aussehen kann. Wichtig ist uns dabei, dass die Versorgung werdender Mütter in unserem Kreis vollständig gesichert bleibt.“
Die Mühlenkreiskliniken prüfen derzeit mit Hochdruck, in welcher Form eine Ergänzung der bisherigen Bauplanung um eine Geburtsklinik an der AVK möglich ist. Dem Verwaltungsrat und dem Kreistag wird in den Dezembersitzungen diese Prüfungen zur Entscheidung vorgelegt.
Nach den ersten vorliegenden Erkenntnissen empfiehlt der Vorstand der Mühlenkreiskliniken, die Neubauplanungen nicht um eine Geburtshilfe zu erweitern.
Für diese Empfehlung sind vier Faktoren ausschlaggebend:
- zusätzliche Investitionskosten von mindestens 18 Millionen Euro
- Prognostizierte jährliche Betriebskosten-Defizite von etwa 1 Million Euro
- Keine Bedarfsnotwendigkeit für eine Geburtshilfe in Bad Oeynhausen gemäß geltender Planungsrichtlinien, die eine Erreichbarkeit des nächsten Kreißsaals innerhalb von 40 Minuten vorsehen
- Verzögerung des bisher geplanten Bauprojektes um mehrere Monate und damit zusätzliche finanzielle Belastungen um 1,8 Millionen Euro
„Wir können ein dauerhaft defizitäres Angebot nicht verantworten. Am Ende müsste das Defizit schließlich vom Steuerzahler getragen werden“, betont Dr. Olaf Bornemeier, Vorstandsvorsitzender der Mühlenkreiskliniken. „Wir müssen Entscheidungen treffen, die den gesamten Kreis und die langfristige Zukunftsfähigkeit aller Standorte im Blick haben.“ Die Empfehlung fußt auch auf der Einschätzung des Sanierungsvorstands Frank Ohi: „Eine Sanierung bedeuten zum Teil auch schmerzliche Einschnitte. Der Kreißsaal in Bad Oeynhausen würde die Mühlenkreiskliniken in den nächsten 20 Jahren etwa 50 Millionen Euro kosten. Man kann nicht einerseits von Sanierung sprechen und andererseits heute solche ungedeckten Schecks ausstellen.“
Bis zur Fertigstellung des Neubaus, die nach aktuellem Stand im Jahr 2030 oder später erwartet wird, bleibt die Geburtshilfe am Krankenhaus Bad Oeynhausen in Betrieb – sofern ausreichend Fachpersonal zur Verfügung steht. Arbeitsplätze der Beschäftigten im Kreißsaal oder der Station sind nicht gefährdet; allen Mitarbeitenden werden Perspektiven an den Standorten der Mühlenkreiskliniken in Minden oder Lübbecke angeboten.
Aus medizinischer Sicht ist die Versorgung weiterhin gesichert. „Alle werdenden Mütter aus dem Einzugsgebiet erreichen innerhalb von maximal 20 Minuten einen umliegenden Kreißsaal – sei es in Minden, Lübbecke, Herford oder Schaumburg“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Philipp Soergel, Direktor der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Krankenhaus Bad Oeynhausen und am Johannes Wesling Klinikum. „Diese Struktur entspricht den geltenden Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Eine sichere, hochwertige Versorgung bleibt uneingeschränkt gewährleistet.“
Landrat Ali Doğan und Vorstandsvorsitzender Dr. Olaf Bornemeier danken den Beschäftigten ausdrücklich: „Die Kolleginnen und Kollegen in der Geburtshilfe leisten seit vielen Jahren hervorragende Arbeit. Die nun notwendige Entscheidung ist keine Bewertung ihrer Leistung und keine Kritik an ihrem Engagement. Sie tragen Tag für Tag wesentlich zur Gesundheitsversorgung in unserem Kreis bei.“
Quelle: Mühlenkreiskliniken AöR
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