Digital for health – So kann es gelingen
Es gibt selten Gesetze, die nicht nur vom Titel her, sondern auch schon in der Umsetzung überholt sind. So auch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) aus dem Jahr 2020. Neue digitale Möglichkeiten fordern die IT-Strukturen der Krankenhäuser in bisher ungekanntem Ausmaß heraus. Wie sollen die Krankenhäuser darauf reagieren?
Das Krankenhauszukunftsgesetz
Das am 20.Oktober 2020 verabschiedete Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) zielt darauf ab, die digitale Infrastruktur der Krankenhäuser zu modernisieren, die medizinische Versorgung zu verbessern und die Selbstbestimmung der Patienten zu stärken. Mit einem Gesamtbudget von 4,3 Milliarden Euro werden elf Fördertatbestände unterstützt, darunter Patientenportale, digitale Dokumentation und IT-Sicherheit.
Wie die Krankenhaus IT-Struktur in den Tritt kommen sollte…
Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) legt somit den Grundstein für dringend notwendige Investitionen in die digitalen Strukturen der Krankenhäuser und verpflichtet diese, einen Teil der Fördermittel in die IT-Sicherheit zu investieren. Besonders Krankenhäuser, die als kritische Infrastrukturen (KRITIS) gelten, müssen hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit erfüllen.
Jedoch gibt es auch Herausforderungen und Probleme. Während der Corona-Pandemie und bei zukünftigen Infektionswellen wären die fakultativen Fördertatbestände förderwürdiger und prioritär gewesen. Ein weiteres großes Problem ist die fehlende Anschlussfinanzierung ab 2025. Ab diesem Zeitpunkt müssen die Krankenhäuser die Wartungskosten selbst tragen, was die nachhaltige Finanzierung der Hardware erschwert. Die Lebenszyklen von Hardware betragen in der Regel drei bis sieben Jahre, was regelmäßige Investitionen notwendig macht. Unklar ist auch, welche Krankenhausinformationssysteme (KIS) 2025 noch auf dem Markt sein werden. Zusätzlich erfordert der hohe Dokumentationsaufwand für die Umsetzung der Förderung erheblichen Aufwand, und einige Krankenhäuser müssen auch Vergaberichtlinien beachten.
Patientenportale: Schlüssel zur Digitalisierung bei den Städtischen Kliniken Mönchengladbach
Neben der internen Digitalisierung ist auch eine sektorenübergreifende Vernetzung mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringern notwendig. Dies umfasst das digitale Aufnahme-, Behandlungs- und Entlassmanagement und erfordert eine sektorenübergreifende Interoperabilität. Die Bedürfnisse der Beteiligten sind vielfältig: Das Personal soll durch Dokumentationsentlastung und die Organisation der Anschlussversorgung entlastet werden, während Patienten durch administrative Prozesse wie Onboarding, Terminierung und Kommunikation geleitet werden. Zudem soll das Entlassungsmanagement effizienter gestaltet werden, um eine zeitnahe Überleitung und Sicherstellung der Anschlussversorgung zu gewährleisten.
Für die Städtischen Kliniken Mönchengladbach (SKMG) ist die Umsetzung eines Patientenportals aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten (von der Geburtshilfe bis zur Geriatrie) eine anspruchsvolle Aufgabe. Interdisziplinäre Projektgruppen arbeiteten etwa neun Monate daran, sicherzustellen, dass alle notwendigen und gewünschten Funktionen in den Leistungsverzeichnissen für eine Patienten- und Überleitungsplattform enthalten sind. Über einen Bieter-Pool der Einkaufsgemeinschaft GDEKK wurde die Ausschreibung gestartet und der Auftrag vergeben.
Die Implementierung des Patientenportals erfolgt in fünf Phasen: Vorbereitung der IT und Basisinstallation, Einführung über eine Pilotabteilung, Rollout in allen Fachabteilungen, Erweiterung der Features und abschließende Prüfung der Patientenakzeptanz. Die Implementierungszeit beträgt 15–18 Monate. Diese gründliche Vorbereitung soll sicherstellen, dass die Portale der SKMG nicht zu „Investitionsruinen“ werden, bevor der digitale Austausch mit den Patienten beginnen kann.
Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI), Machine Learning (ML) und Deep Learning (DL) für Krankenhäuser
KI, ML und DL spielen eine immer wichtigere Rolle in der Krankenhaus-IT-Infrastruktur. KI nutzt Algorithmen, um komplexe Aufgaben zu bewältigen, während ML und insbesondere DL fortgeschrittene Lernprozesse ermöglichen, indem sie große Datenmengen verarbeiten. Anwendungen wie zukünftig selbstoperierende Roboter, heute schon Bilderkennung in der Radiologie und Gesichtserkennungssysteme sind nur einige Beispiele.
Herausforderungen der traditionellen IT-Infrastruktur
Die traditionelle IT-Infrastruktur in Krankenhäusern, die verschiedene Systeme wie Krankenhausinformationssysteme (KIS) und SAP umfasst, ist oft schwerfällig und mit Interoperabilitätsproblemen behaftet. Eine prozess- und fallorientierte IT-Struktur soll zu einer Prozessbeschleunigung, Kostensenkung, höherer Sicherheit und Qualität führen. Allerdings fehlt es an der notwendigen digitalen Infrastruktur und eHealth-Kompetenz im Gesundheitswesen.
Sprachmodelle als Brücke zwischen traditioneller IT und prozessorientierter IT-Struktur
Die SKMG nutzen Weiterbildungsangebote lokaler Initiativen wie nextMG und dem DigiHub in Düsseldorf zur Steigerung der eHealth-Kompetenz.
Sprachmodelle wie Large Language Models (LLM, DL) können natürliche Sprache verstehen und erzeugen, um verschiedene Aufgaben im Gesundheitswesen zu unterstützen. Vorteile umfassen Copilot-Funktionen für Routineaufgaben, Beantwortung von Fragen und Übersetzungen. Risiken wie Datenschutzfragen, Urheberrecht, ethische Bedenken, Transparenz und Sicherheit sind jedoch nicht außer Acht zu lassen.
Fazit: Im Tritt bleiben
Das Krankenhauszukunftsgesetz bietet Krankenhäusern die Möglichkeit, ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren. Doch die Zeit nach der Förderung birgt viele Unsicherheiten. Eine Konzentration auf digitale Technologien wie LLM, kombiniert mit einer robusten traditionellen IT-Struktur, ist entscheidend. Jedes Krankenhaus muss seinen eigenen Weg finden, um die digitalen Ansprüche zu erfüllen und die IT-Infrastruktur zukunftssicher zu gestalten.
Angepasster Artikel aus KU Gesundheitsmanagement Ausgabe 04-2024
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Autor: Thorsten Celary