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X wie „X-Faktor“ im Leadership

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X wie „X-Faktor“ im Leadership

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Mahatma Gandhi, Martin Luther King Jr. und Nelson Mandela haben in der Historie eindrucksvoll bewiesen, was Leadership bewirken kann. Aber nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern auch in Organisationen hat Führung einen entscheidenden Einfluss auf die Zielerreichung. Wie Führung gestaltet werden sollte, hängt von der jeweiligen Organisation, ihrem Umfeld und den beteiligten Personen ab. Unabhängig davon gibt es aber einzigartige Fähigkeiten und Eigenschaften von Führungskräften, die den Erfolg von Organisationen besonders positiv beeinflussen. Diese werden oft als schwer greifbar angesehen und können auch als „X-Faktor“ im Bereich Leadership bezeichnet werden.

Der Stellenwert guter Führung ist unumstritten und wird zum Beispiel in einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Gesundheit hervorgehoben. Führungsqualität nimmt demnach einen höheren Stellenwert bei der Arbeitszufriedenheit ein als materielle Faktoren und stellt derzeit eines der größten Problemfelder in der Pflege dar. Die Art der Führung hat somit einen entscheidenden Einfluss auf eine Vielzahl von Kennzahlen wie beispielsweise die Mitarbeitenden- und Patientenzufriedenheit.

Organisationen des Gesundheitswesens sind deshalb gefordert, mit ihren Strukturen und Abläufen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es erlauben gute Führung zu leben und geeignete Führungskräfte mit dem „X-Faktor“ zu finden und zu fördern. Im Folgenden werden dafür drei beispielhafte strukturelle Veränderungen aufgeführt.

Die oftmals in Stellenausschreibungen als Plattitüde formulierte flache Hierarchie schafft in gelebter Form einen entsprechenden Beitrag für die Kommunikation zwischen der Führungskraft und ihren Mitarbeitenden. Durch den Abbau von Hierarchiebarrieren entsteht ein vereinfachter und transparenter Kommunikationsfluss zwischen beispielsweise Ärztinnen und Ärzten, Krankenpflegenden und medizinischem Personal, der dafür sorgt, dass Probleme schneller erkannt und behoben werden. Folglich gelingt es, gezielter auf die Anliegen und Bedürfnisse von behandelten Personen einzugehen. Die daraus resultierende Steigerung der Patientenzufriedenheit dient als messbare Kennzahl für den Erfolg. Auch durch den Einsatz von interdisziplinären Teams, in denen Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen gemeinsam an der Behandlung und Betreuung der Patientinnen und Patienten arbeiten, können Probleme einfacher erkannt und schneller gelöst werden. Entscheidungsprozesse werden transparenter gestaltet und Mitarbeitende ermutigt, ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit wird die soziale und emotionale Intelligenz der Beteiligten gestärkt. Führungskräfte motivieren und inspirieren ihre Mitarbeitenden, wodurch beispielsweise bei der Bewertung alternativer Behandlungsmethoden kreative und innovative Ansätze entstehen können. Die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse von Mitarbeitenden sorgt für eine vertrauensvolle Arbeitsumgebung, in der Probleme wie eine zu hohe Arbeitsbelastung angesprochen und gelöst werden können. Als messbare Kennzahl zur Beurteilung des Erfolgs eignet sich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden, die beispielsweise durch die langfristige Bindung der Belegschaft, Feedback und Befragungen bestimmt werden kann.

Organisationsabläufe sollten einen Rahmen für Führungskräfte schaffen, der dezentralisierte Entscheidungsprozesse fördert. Indem Führungskräfte Entscheidungsbefugnisse auf ihre Mitarbeitenden übertragen und sie aktiv in die Verbesserung der Abläufe einbinden, erhöhen sie deren Entscheidungsfähigkeit. Zugleich können durch das praxisbezogene Wissen der Belegschaft auch die Wissensgrundlage und damit die Entscheidungsqualität positiv beeinflusst werden. Der Erfolg der dezentralen Entscheidungsfindung lässt sich anhand von Prozessverbesserungen wie beispielsweise die Wartezeit von Patientinnen und Patienten oder Fehlerquoten messbar beurteilen.

Viele Facetten des Themas Führung sind nicht sichtbar und stellen den „X-Faktor“ dar. Führung lässt sich nicht nur als Softskill abstempeln, sondern ist vielmehr ein Spiegelbild der Organisation. Aus diesem Grund muss Führung konzeptualisiert werden und ein fester Bestandteil bei der Organisationsbewertung sein, da sie einen maßgeblichen Einfluss auf Kennzahlen ausübt.

Autor: Richard Overödder, Manager Healthcare, KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Erschienen in: KU Gesundheitsmanagement 07/2023

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