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Krankenhausreform und finanzielle Schieflage: „Das Chaos ist vorprogrammiert“

totales Chaos aus Spielfiguren, Würfel und Dominosteine

Krankenhausreform und finanzielle Schieflage: „Das Chaos ist vorprogrammiert“

Gesundheitspolitik

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Finanzielle Notlage der Kliniken verschärft sich weiter

Die wirtschaftliche Situation deutscher Krankenhäuser hat einen alarmierenden Tiefpunkt erreicht. Laut aktuellem Krankenhaus Barometer werden knapp 80 Prozent der Kliniken das Jahr mit roten Zahlen abschließen. In der aktuellen Ausgabe der KU Gesundheitsmanagement teilt Prof. Dr. Erika Raab, Geschäftsführerin der Kreisklinik Groß-Gerau GmbH und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM) e.V., ihre Einschätzung zur Lage.

Die Expertin prognostiziert keine Besserung: „Die wirtschaftliche Situation wird sich für die Kliniken weiter verschärfen.“ Die Krankenhausreform werde die strukturelle Unterfinanzierung nicht lösen und frühestens 2027 erste Wirkungen zeigen. Bis dahin verschärft sich die Kosten-Erlös-Schere weiter.

Kritische Fragen zur Krankenhausreform und Vorhaltefinanzierung

Im Fachgespräch beleuchtet Prof. Dr. Raab zahlreiche kritische Aspekte:

  • Wie wirken sich Preissteigerungen bei Personal- und Sachkosten auf die Liquidität der Kliniken aus?
  • Warum hat die Kreisklinik Groß-Gerau als erste deutsche Klinik das Bundesgesundheitsministerium auf Schadensersatz verklagt?
  • Welche konkreten Auswirkungen hat das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) für die Kliniken?
  • Wird die versprochene Abkehr von der Ökonomisierung der Medizin tatsächlich erreicht?
  • Kann die Vorhaltefinanzierung den finanziellen Druck von den Kliniken nehmen?
  • Wie realistisch ist die Umsetzung der Leistungsgruppen in der Praxis?
  • Ist eine Finanz-Überbrückungshilfe parallel zum KHVVG sinnvoll?

Vorhaltefinanzierung und Leistungsgruppen: Komplexität statt Entlastung

„Von einer Entökonomisierung kann keine Rede sein“, stellt Raab klar. „Im Gegenteil. Es handelt sich eher um die Verschärfung im Sinne einer horizontalen und vertikalen Steuerung.“ Die Fallpauschalen bleiben der Dreh- und Angelpunkt der Leistungserbringung.

Mangelnde Transparenz und Planungsunsicherheit

Die Umsetzung der Leistungsgruppen in der Praxis sieht Raab kritisch: „Wie soll mit dem Kenntnisstand im Rettungswagen bei einem Notfall das richtige Krankenhaus angesteuert werden, wenn sich die Leistungsgruppen u.a. am Ende der Abrechnung im Krankenhaus aus den Diagnosen und durchzuführenden Behandlungen ergeben?“ Ihr Fazit: „Das Chaos ist vorprogrammiert.“

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