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Charité reduziert deutlich ihr Defizit

Foto von Münztürmen mit Würfeln und Pfeil

Charité reduziert deutlich ihr Defizit

Aus der Praxis

4 MIN

Trotz höherer Tarife und Sachkosten hat Charité Ergebnis deutlich verbessert

Berlin. Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Deutschland ist sehr herausfordernd. Seit Einführung des Fallpauschalensystems im Jahr 2003 haben noch nie so viele Kliniken eine so schlechte wirtschaftliche Lage beklagt wie im vergangenen Jahr. In diesem schwierigen Umfeld hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin das Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr mit einem deutlich geringeren Minus abgeschlossen. Der Jahresfehlbetrag der Charité beläuft sich auf 87,4 Millionen Euro und liegt damit 47,2 Millionen Euro besser als im Vorjahr – trotz ansteigender Tarife und Preissteigerungen. Der Finanz- und Strukturausschuss hat dem Aufsichtsrat der Charité in seiner heutigen Sitzung empfohlen, entsprechend den Jahresabschluss 2024 festzustellen.
Die Verbesserung des Jahresergebnisses hat die Charité mit konsequenten Maßnahmen zur Steigerung der klinischen Leistung bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten in einem unverändert schwierigen wirtschaftlichen Umfeld erreicht. Alle Maßnahmen wurden und werden im Hinblick auf die Erfüllung des universitätsmedizinischen Auftrags von Krankenversorgung, Forschung und Lehre eingehend geprüft und abgewogen.

Hohe Nachfrage und starke Auslastung in der Universitätsmedizin

Die Charité hat 2024 zusammen mit dem DHZC mit mehr als 143.700 stationären und teilstationären sowie rund 822.500 ambulanten Fällen – davon rund die Hälfte in den Hochschulambulanzen der Fakultät – mehr Patient:innen als im Vorjahr versorgt. So konnten Umsatzerlöse von erstmalig über 2,0 Milliarden Euro erzielt werden. Mit 1,5 Milliarden Euro wurde der wesentliche Teil der Umsatzerlöse im stationären Bereich generiert sowie gut 190 Millionen Euro durch ambulante Leistungen erwirtschaftet.

Herausragende Forschungsstärke

Die Drittmitteleinnahmen von Fakultät und BIH zusammen betrugen im Berichtsjahr insgesamt rund 277 Millionen Euro und sind damit weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Die herausragende Forschungsstärke der Berliner Universitätsmedizin spiegelt sich auf nationaler Ebene beispielsweise in der Beteiligung an 30 DFG-Sonderforschungsbereichen und international an 48 EU-Projekten wider. Die Exzellenz der Forschung leistet zudem einen erheblichen Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung Berlins.

Gestiegene Kosten für Personal und Sachmittel

Zu den anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen zählen die dynamisch gestiegenen Preise bei Energie, Medizinprodukten und weiteren Materialien und die Tarifsteigerungen, die die Personal- und Sachkosten getrieben haben. Der Personalaufwand ist mit 1,6 Milliarden Euro weiterhin die größte Aufwandsposition, die sich im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr vor allem aufgrund von Tarifsteigerungen um 106,8 Millionen Euro erhöht hat.

Daneben hat die Charité hat ihre Aktivitäten zur Suche und Bindung von Fachkräften, insbesondere im Pflegebereich, intensiviert. Durch die erfolgreichen Bemühungen konnten in den letzten zwei Jahren zahlreiche Kolleg:innen im Pflege- und Funktionsdienst hinzugewonnen werden: Insgesamt sind es 1.623 Vollkräfte, 549 von ihnen kamen aus dem Ausland an die Charité. Der Materialaufwand belief sich auf insgesamt 933,7 Millionen Euro und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen betrugen 325,6 Millionen Euro, darunter allein 111,8 Millionen Euro für umfassende Instandhaltungen der Infrastruktur.

Wirtschaftsfaktor Charité

Wie bedeutend die Berliner Universitätsmedizin für Berlin und Deutschland auch volkswirtschaftlich ist, zeigt eine im Februar veröffentlichte Studie der DIW Econ. Die Charité ist sowohl regional als auch überregional ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Jeder Euro, den das Land investiert, führt in Berlin zu einer vierfachen beziehungsweise bundesweit zu einer mehr als sechsfachen Bruttowertschöpfung. Damit ist die Charité eine der größten und wichtigsten Schnittstellen zwischen Wissenschaft, Krankenversorgung und Wirtschaft. Die Studie zeigt, wie die Charité direkte und indirekte wirtschaftliche Effekte erzeugt und welchen Beitrag sie regional und überregional stiftet. Die Bruttowertschöpfung belief sich beispielsweise im Jahr 2023 bei rund 1,8 Milliarden Euro in Berlin und rund 3,3 Milliarden Euro in Deutschland. Zusätzlich sichert die Charité nahezu 25.500 Arbeitsplätze in Berlin und bundesweit mehr als 45.400 Arbeitsplätze. Dies führt im Zusammenhang mit den Nachfrageeffekten zu einem Steueraufkommen von rund 165 Millionen Euro in Berlin beziehungsweise bundesweit rund 578 Millionen Euro.

Ambitionierte Ziele für 2025

Die Charité reagiert auf die schwierigen Rahmenbedingungen einerseits und die begrenzten öffentlichen Mittel andererseits. Prof. Kroemer erklärt: „Wir prüfen weiterhin, welche Maßnahmen sich eignen, um Einsparpotenziale zu identifizieren. Dennoch haben für uns die herausragende Krankenversorgung und exzellente Forschung oberste Priorität. Wir nehmen die Herausforderung an, neue Wege der Finanzierung zu gehen und legen den Fokus verstärkt auf Industriepartnerschaften, Kooperationen für Innovationen und projektbezogenes Fundraising. Wichtig ist es, Gesundheit als einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor zur Wertschöpfung Berlins zu verstehen. Unser Ziel für 2025 ist es, den Jahresfehlbetrag weiter substanziell zu minimieren.“

Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin

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